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Irakische Polizisten sollen die für die Ölwirtschaft lebenswichtigen Pipelines sichern.

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Gegen die Besatzer, gegen Ausländer, gegen Iraker im öffentlichen Dienst, gegen Unbeteiligte, gegen die Infrastruktur: Den Rebellen im Irak ist zur Destabilisierung jedes Ziel recht.

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Ramadi/Falluja - Nicht nur gegen Menschen, sondern auch gegen die Infrastruktur richtet sich die Gewalt im Irak. Sowohl bei Kirkuk im Norden als auch in Basra im Süden wurden bereits am Dienstagabend Anschläge auf Pipelines verübt. Die Ölleitungen wurden schwer beschädigt, der Ölfluss unterbrochen. Die irakischen Exporte sind damit auf 500.000 Barrel pro Tag dramatisch gesunken. Nach der Explosion an der Pipeline 40 Kilometer nördlich von Kirkuk, die sowohl für die lokale Versorgung als auch für Ölexporte nach Syrien und die Türkei wichtig ist, brach ein heftiger Brand aus.

In Kirkuk fiel der Sicherheitschef der staatlichen Erdölgesellschaft im Nordirak einem Mordanschlag zum Opfer. Drei Angreifer erschossen Ghazi Talabani in dessen Auto auf dem Weg zur Arbeit in Kirkuk. Der Tote war ein Cousin von Kurdenführer Jalal Talabani, des Chefs der Patriotischen Union Kurdistans (PUK).

Der Mittwoch war wieder ein Tag mit hohem Blutzoll im Irak: Bei einem Sprengstoffanschlag in Ramadi wurden neun Menschen getötet, darunter vier Ausländer. Zuvor waren in einem Bach bei Latifiya, südlich von Bagdad, 18 Menschen durch einen Stromschlag umgekommen, als Unbekannte ein Kabel ins Wasser legten. Sechs weitere Zivilisten wurden in der nahe gelegenen Ortschaft Haswa in ihren Autos erschossen.

Wolfowitz in Bagdad

Vom Besuch eines prominenten Amerikaners in Bagdad erfuhr man diesmal erst im Nachhinein: Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz führte Gespräche mit der Besatzungsbehörde und der kommenden irakischen Regierung. Zuletzt war Wolfowitz im Februar in den Irak gereist und dabei nur knapp einem Anschlag entkommen.

Neuer US-Oberbefehlshaber im Irak soll der stellvertretende Generalstabschef des US-Heeres, General George Casey, werden. Er wurde als Nachfolger von General Ricardo Sanchez nominiert, teilte das Pentagon mit. Sanchez wurde zuletzt im Zusammenhang mit dem Misshandlungsskandal in irakischen Gefängnissen kritisiert. Unterdessen sagten mehr als die Hälfte der Iraker in einer Umfrage, sie würden sich in ihrem Land sicherer fühlen, wenn die US-Besatzungstruppen einfach abzögen. (AP, AFP, dpa/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.6.2004)