Wien - Der Aufsichtsratschef des streiklustigen Postbus, ÖBB-Vorstand Ferdinand Schmidt, will "mit den Belegschaftsvertretern reden, reden und nochmals reden", um die angekündigten Arbeitsniederlegungen zu verhindern.

Robert Wurm, Zentralbetriebsratschef des Postbus, bereitet, wie berichtet, weitere Streiks vor, um die Teilprivatisierung des von der ÖBB gekauften Postbus zu verhindern.

Gemäß Regierungsauftrag wird jetzt ein Drittel des Postbus-Volumen (in Form von 32 Paketen aus Linien, Werkstätten und Personal) verkauft; Post-und Bahnbus werden fusioniert. Wurm, der um 1000 von 2700 Jobs fürchtet: "Kommt bei unserem Gespräch mit Verkehrsminister Hubert Gorbach am Donnerstag nichts raus, stehen die Busse still."

Eine Sache, die Postbus-Aufseher Ferdinand Schmidt "nicht versteht: Das neu entstehende Unternehmen wird um 30 Prozent größer sein als der alte Postbus. Es hat daher bessere Überlebenschancen und sichert mehr Jobs."

Schwieriger Umbau

Die Synergien aus der Fusion beziffert der ÖBB-Manager mit 40 Mio. Euro (bis 2008); 16 Mio. Euro sollen bereits gehoben sein. Der gesellschaftsrechtliche Umbau gestaltet sich indes schwierig.

Zwar geht der Linienverkehr ab 1. Juli auf den neuen Bahnpostbus über, die Umgründung von einer AG in eine GmbH steht aber noch aus. Letzten Endes soll die neue Busgesellschaft als Tochter des ÖBB-Nahverkehrs geführt werden - der wiederum soll Teil der neuen ÖBB Personenverkehrs AG werden.

Die Pläne für die Zeit danach: Im fusionierten Busunternehmen werden 23 von derzeit 80 Werkstätten und Verkehrsstellen aufgelassen, rund eine Million Kilometer Parallelverkehr wird eingestellt.

Bis 2008 sollen rund 600 Mitarbeiter eingespart werden, freilich nur über natürlichen Abgang. Denn: 75 Prozent der Postbus- und 80 Prozent der Bahnbus-Mitarbeiter sind kündigungsgeschützt. (Renate Graber/DER STANDARD Printausgabe, 17.06.2004)