Wien - Dass sich die Wirtschaft spätestens 2013 wegen akuter Arbeitskräfteknappheit wieder an die Frauen erinnern wird, tröstete bei einer Veranstaltung von Industriellenvereinigung (IV) und STANDARD zum Thema "Zukunft der Beschäftigung" niemanden.

Auch nicht Brigitte Ederer, Vorstandsmitglied von Siemens Österreich. Die ehemalige SP-Politikerin forderte daher, "dass Manager - mit einem Gehaltsincentive - auch daran gemessen werden sollten, in welchem Umfang sie Frauen fördern". Es komme einer volkswirtschaftlichen Vergeudung gleich, auf immer besser ausgebildete Frauen zu verzichten.

2003 waren in Österreich mehr als die Hälfte der 15.900 Studienabgänger weiblich. In den USA sei der gesellschaftliche Druck in dieser Beziehung weit höher, weshalb sich viele Betriebe Frauen in Toppositionen holen, um nicht "am schwarzen Brett zu stehen" und neben bester Qualifikation noch den Nutzen höherer sozialer Kompetenz zu lukrieren.

Skepsis bleibt

Birgit Bolognese-Leuchtenmüller, Chefin des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, bleibt trotzdem skeptisch. Sie glaubt, dass ein Vorrücken von Frauen in Führungspositionen "der Masse der Arbeitnehmerinnen nicht viel nützen wird". Ihnen würden Jobs weiterhin als (schlecht bezahlte) "Erfüllung" verkauft.

Als Beispiel führt sie die Pflegeberufe an. Und Erich Lehner vom Ludwig-Boltzmann-Institut "fürchtet, zu ähnlichen Ergebnissen zu kommen". Studien zeigen, dass Frauen durch die demoskopische Entwicklung zwar künftig mehr Jobs bekommen können, die Machtstrukturen aber männlich bleiben. Die gesellschaftliche Kultur werde von der Wirtschaft gespiegelt, weshalb "diese nicht gerade ein Hort des Fortschritts sei", heißt es.

Leiser Zwang und Steueranreize

Motivforscherin Sophie Karmasin setzt deshalb auf leisen Zwang und Steueranreize für Firmen, die etwa, wie in Skandinavien erfolgreich praktiziert, männliche Mitarbeiter in Karenz gehen lassen. Dies rechnet sich nicht nur für die Betriebe, sondern würde auch Frauen vom Einstellungsrisiko der Karenz freispielen.

Und Bolognese-Leuchtenmüller formulierte als Resümee: Der Slogan "Den Frauen den Kosmos, den Männern die Welt" stimmt am Arbeitsmarkt leider nur in der Negativversion. Denn: Der Kosmos ist auf Sicht unerreichbar. (Monika Bachhofer/DER STANDARD Printausgabe, 17.06.2004)