Graz - Ein familienfreundliches Arbeitsumfeld rechnet sich nicht nur für die so genannte Work-Life-Balance - also die allgemeine Ausgeglichenheit und Motivation der Arbeitnehmer - "es bringt auch einen betriebs- und volkswirtschaftlichen Gewinn".

In Deutschland habe man das längst erkannt, erklärte Katrin Peplinski, Personalchefin der deutschen Victoria-Versicherung, zu Wochenbeginn bei einer Veranstaltung zur Väterkarenz im Grazer Wifi.

Die Versicherung mit Sitz in Düsseldorf, die über 10.000 Mitarbeiter beschäftigt, ist eine der Partnerinnen der "Allianz für Familie", in der das deutsche Familienministerium mit Wirtschaftsbetrieben zusammenarbeitet. Peplinski rechnete vor, dass ein Unternehmen mit etwa 1500 Mitarbeitern durch familienunterstützende Angebote für Arbeitnehmer, die Eltern werden, rund 235.000 Euro im Jahr sparen könne.

Die Maßnahmen reichen von Beratungen über Kontakthalteangeboten, Weiterbildung, Kinderbetreuung bis zur Einrichtung von Telearbeitsplätzen. Die Allianz-Partner vereinbarten vor einem Jahr Standards über ihre Unternehmensstruktur, Arbeitsorganisation, Arbeitszeiten, Personalentwicklung und familienunterstützende Dienstleistungen.

Gleichbehandlung

Wo Karenzzeiten nicht mit großen finanziellen Einbußen und Karriereeinbrüchen verbunden sind, gehen mehr Väter in Karenz, und Frauen haben die Chance auf berufliche Gleichbehandlung. In der Victoria-Versicherung steigt der Frauenanteil auch in führenden Positionen und beträgt derzeit über 53 Prozent.

Wie die anschließende Podiumsdiskussion mit steirischen Unternehmern und Karenzvätern bewies, sind solche Modelle auch für kleinere Betriebe interessant. (cms/DER STANDARD Printausgabe, 17.06.2004)