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Fernsehschirme laufen auf Hochtouren.

Foto: REUTERS/Dylan Martinez
Wien - Größe ist nicht alles. Aber sie hilft. Schließlich weiß Frank Stronach, dass das Argument der größten europäischen Open-Air-Leinwand hilft, die Wiener in den Shuttlebus zu locken. In Stronachs Ebreichsdorfer Racino-Rennpark steht derzeit nämlich laufendes Männerbein hoch im Kurs: Onkel Frank bittet zum Fußballschauen. Wetten und Galadiner inklusive. Bloß: Größe ist nicht alles - vor allem, wenn der Weg zu ihr weit ist. Darum profitiert auch das kleine - hier exemplarisch ausgewählte - Café Janetto in Gumpendorf vom Herdentrieb der Fußballfans. Im Janetto steht der Fernseher neuerdings so auf der Bar, dass man ihn von der Bushaltestelle draußen nicht übersehen kann: Pünktlich mit dem Anpfiff Deutschland - Niederlande ließen etliche Öffi-Benutzer den Bus Bus sein - und klebten an der Beislscheibe. Nichts Neues

Nicht dass Fußballschauen im Beisl etwas Neues wäre. Im Gegenteil: Vor der flächendeckenden Vollversorgung mit Fernsehern ging man schließlich auch aus, um zu glotzen. Ins Beisl oder zur Nachbarin. Mit - schon bei Wolfgang Ambros' "Blume aus dem Gemeindebau" nachzuhören - durchaus unterschiedlichen Intentionen. Und rund um öffentliches WM-TV wurden zuletzt regelrechte Leinwand-Events inszeniert.

Aber dass schon bei den Vorrundenspielen einer EM - ohne heimische Teilnahme - die öffentlichen und halb öffentlichen Bildschirme dermaßen magnetisch wirken, überrascht denn doch: Während man etwa Dienstagabend im Flex beim Konzert der Band The Zutones viel Bewegungsfreiheit hatte, war davor - vor der fußballbespielten Leinwand - Platz rar. "Trauerspiel" Dass all denen, die in der Tribüne Krieau, im Stadtpark, im Café Hummel, im Café Anzengruber, im Chelsea oder in einem der unzähligen anderen Lokale die Matchs verfolgen, just zur EM das TV-Gerät eingegangen ist, scheint wenig wahrscheinlich. Eher dürfte die Erklärung eines Nicht-Busfahrers vor dem Café Janetto zutreffen: "Das Trauerspiel ,österreichischer Fußball' will ich alleine oder doch eher gar nicht sehen. Aber bei guten Spielen ist die geteilte Freude gleich doppelte Freude." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe, 17.6.2004)