Bregenz - Am 15. Juni hatten viele ausländische Bauarbeiter ein großes Loch im Lohnsackerl. Denn mit dem neuen Kollektivvertrag wurde das Trennungsgeld gestrichen. Es stand jenen zu, die wegen der Arbeit von der Familie getrennt sind. Betroffen waren in der Regel türkische Arbeiter. Eingeführt wurde nun ein Taggeld für alle, das aber wesentlich niedriger als das Trennungsgeld ist. "Nun sind alle Bauarbeiter gleichgestellt, auch die Einheimischen", freut sich BauHolz-Gewerkschaftssekretär Gerhard Flatz über die neue Mobilitätsabgeltung. Weniger Freude haben die von der Streichung betroffenen Arbeiter. "Manche werden bis zu 200 Euro weniger pro Monat bekommen", räumt Flatz ein. Fremdenrecht

Die Aufregung darüber halte sich bei den Betroffenen in Grenzen, meint der Gewerkschafter, denn "viele haben das Trennungsgeld bezogen, obwohl es ihnen gar nicht zugestanden wäre". Das geringere Taggeld sei besser als drohende Finanzprüfungen und Nachzahlungen, sagt Flatz.

Eine Argumentation, die Attila Dincer, Sozialarbeiter und Grünen-Kommunalpolitiker, nicht nachvollziehen kann: "Von Bevorzugung der Ausländer kann man wohl nicht sprechen, schließlich sind sie durch das Fremdenrecht stark benachteiligt." Die neue Taggeldregelung sei "eine Enttäuschung". Zudem fehle es den Arbeitern an Information, "hier ist Aufklärungsarbeit notwendig", fordert Dincer.

Mario Lechner, Fraktionsobmann der Arbeiterkammer-Fraktion "Gemeinsam": "Von den Arbeitnehmern wird immer mehr Flexibilität erwartet. Die zeitweise Trennung von der Familie wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Die Kosten dafür sollen nun auch die Arbeitnehmer und -nehmerinnen selber tragen." (jub/DER STANDARD, Printausgabe, 17.6.2004)