Meise - Die Führer der christlich-konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) sind am Donnerstag vor dem EU-Gipfel in Meise bei Brüssel zu Beratungen über einen eigenen Wunschkandidaten für die Nachfolge des EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi zusammengekommen. EVP-Fraktionschef Hans Gert Pöttering nannte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, den französischen Außenminister Michel Barnier, den britischen EU-Kommissar Chris Patten und den portugiesischen Ministerpräsidenten Jose Manuel Durao Barroso als Wunschkandidaten seiner Partei.

Der von Frankreich und Deutschland unterstützte liberale belgische Ministerpräsident Guy Verhofstadt werde von einer "großen Mehrheit der EVP" abgelehnt. Der Luxemburger Ministerpräsident Jean-Claude Juncker unterstützt jedoch Verhofstadt und hat erneut eigene Ambitionen auf das Amt ausgeschlossen.

Juncker für Verhofstadt

Juncker: "Ich unterstütze Herrn Verhofstadt. Ich bilde mir eine Meinung oft abseits von parteipolitischen Überlegungen. Zu den Chancen Schüssels meinte er: "Ich bin so sehr damit beschäftigt, nicht selbst Kandidat zu sein, dass ich wirklich Mühe habe, mich in diesen Kandidatenreigen einbinden zu lassen."

Zurückhaltend gab sich Schüssel beim Eintreffen. Angesprochen auf Verhofstadt sagte er, es werde von der irischen EU-Ratspräsidentschaft abhängen, ob dieser beim Gipfel als Kandidat vorgeschlagen wird. Dagegen betonte Pöttering, er "erwarte nicht mehr, dass Verhofstadt der Kandidat wird. Sollte er es werden, werde ich alle Bemühungen unterstützen, dass er nicht die Mehrheit des Europäischen Parlaments bekommt". Zu Schüssel bemerkte er: "Wenn ich ihn als ersten nenne, zeigt das meine große Wertschätzung für Schüssel."

Der britische Premier Tony Blair hat vor dem Gipfel klar gemacht, dass er den als integrationsfreundlich geltenden belgischen Ministerpräsidenten und Irak-Kriegsgegner ablehnt. Bedenken zu Verhofstadt äußerten auch Italien und Polen. Vor dem Gipfel war nicht ausgeschlossen worden, dass die Entscheidung der Staats- und Regierungschefs auf einen Sondergipfel Anfang Juli verschoben wird. (APA)