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Autobombe vor einer Rekrutierungsstelle der irakischen Sicherheitskräfte am schwer gesicherten Bagdader Flughafen Muthanna.

AP/HUSSEIN MALLA

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Reuters/ALI JASIM
Bagdad - Rund zwei Wochen vor der geplanten Machtübergabe im Irak haben Extremisten mit verheerenden Anschlägen ihre Versuche verstärkt, die Lage in dem Golfstaat zu destabilisieren. Ein Selbstmordattentäter tötete am Donnerstag bei einem der schwersten Anschläge in diesem Jahr 35 Menschen, als er in Bagdad vor einem Büro der irakischen Armee eine Autobombe zündete. 138 Menschen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums verletzt. Bei einem weiteren Autobomben-Anschlag nördlich der Hauptstadt wurden wenige Stunden später sechs Angehörige der irakischen Sicherheitskräfte getötet.

Der Verteidigungsminister in der Übergangsregierung drohte den Extremisten mit drakonischen Strafen. US-Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz bekräftigte, die US-Truppen blieben so lange im Irak, bis die irakischen Kräfte die Sicherheit im Land selbst gewährleisten könnten.

Rekrutierungsbüro der irakischen Armee getroffen

Die Explosion in Bagdad traf ein Rekrutierungsbüro der irakischen Armee nahe dem stark gesicherten Flughafen Muthanna. Da das Büro in einer belebten Straße liegt, wurden durch die Detonation nicht nur Armee-Anwärter, sondern auch zahlreiche Passanten getötet. Der Anschlag ist der schwerste seit Februar, als 47 Menschen bei einem Selbstmordattentat an der selben Stelle ums Leben kamen.

US-Oberst Mike Murray erklärte zu dem Anschlag vom Donnerstag, rund 175 Armee-Rekruten, die sich zum Zeitpunkt der Explosion im Inneren des Gebäudes befunden hätten, seien unverletzt geblieben. Der Attentäter habe sich mit einem weißen Geländewagen in die Luft gesprengt. Irakische Soldaten, Helfer und Einwohner irrten nach der Explosion umher. Ein Mann lag tot in seinem zerstörten Auto, ein weiterer auf der Straße.

Allawi: "Feiger Anschlag"

"Es war ein feiger Anschlag. Er führt uns erneut vor Augen, dass diese Anschläge auf die Stabilität des Irak und seines Volkes gerichtet sind", sagte Ministerpräsident Ijad Allawi, als er sich am Anschlagsort persönlich ein Bild von den Geschehnissen machte. Verteidigungsminister Hazim al Shaalon sagte, die Rebellen würden mit militärischen Mitteln niedergerungen. "Wir werden ihre Hände abschneiden und sie köpfen", drohte er den Verantwortlichen für die Anschläge. Irakische Truppen würden die Fahndung nach den Rebellen übernehmen, mit nur geringer logistischer Hilfe durch die US-Truppen.

Innenminister Falah el Nakib machte ausländische Extremisten für die Anschläge verantwortlich: "Ich glaube, es gibt da eine Verbindung zu Zarkawi." Der jordanische Extremist Abu Mussab al Zarkawi, dem Verbindungen zu El Kaida nachgesagt werden, wird auch von der USA-Armee als Drahtzieher vieler Anschläge im Irak gesehen. Aufständische versuchen seit längerem, die für den 30. Juni geplante Machtübertragung von den US-geführten Besatzungstruppen an die Übergangsregierung zu sabotieren. In den vergangenen Tagen haben die Aufständischen ihre Anschläge auf Sicherheitskräfte und irakische Politiker intensiviert.

Ölpipelines bald wieder einsatzbereit

Ein Vertreter der irakischen Ölindustrie kündigte unterdessen an, dass der durch zahlreiche Sabotageakte zum Erliegen gekommene Öl-Export am Freitag wieder aufgenommen werden soll. Die Ölexporte des Irak waren in dieser Woche nach Sabotageakten vollständig zum Erliegen gekommen. Der Vertreter eines irakischen Ölunternehmens sagte, nach der Reparatur einer durch einen Anschlag beschädigten Pipeline im Süden des Landes könnten ab Freitag zunächst wieder rund 700.000 Barrel pro Tag transportiert werden. Die Ölexporte im Umfang von zuletzt 1,6 Millionen Barrel pro Tag sind die einzige eigene Einnahmequelle des Irak.

Nach Angaben des ungarischen Verteidigungsministeriums wurden bei einem Anschlag auf einen Fahrzeugkonvoi im Irak ein ungarischer Soldat getötet und ein weiterer schwer verletzt. Ungarn ist mit einem 300 Mann starken Transport-Bataillon im Irak vertreten. Es wird vermutet, dass Anhänger des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein, irakische Nationalisten und ausländische Extremisten hinter den beinahe täglichen Anschlägen im Irak stecken. (APA/Reuters)