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Jacek Kuron wurde 70 Jahre alt.

Foto: APa/Janek Skarzynski
Warschau - Der Publizist Jacek Kuron, einer der bekanntesten Bürgerrechtsaktivisten Polens in den 70er und 80er Jahren, ist tot. Der ehemalige Sozialminister und Präsidentschaftskandidat im Jahr 1995, einst laut Umfragen beliebtester Politiker des Landes, starb im Alter von 70 Jahren nach langer Krankheit, berichtete der polnische Rundfunk am Donnerstag.

1976 gründete Kuron gemeinsam mit Adam Michnik das "Komitee zur gesellschaftlichen Selbstverteidigung" (KOR). Sie prangerten die Verhaftung politischer Gegner des KP-Regimes an, organisierten ihre Betreuung und machten auf den Fortbestand diktatorischer Verhältnisse aufmerksam. KOR wurde eine der wichtigsten Keimzellen von "Solidarnosc". Kuron gehörte zu den Beratern von Arbeiterführer Lech Walesa. An den Gespräche am Runden Tisch, die den friedlichen Übergang zur Demokratie vorbereiteten, nahm Kuron als Vertreter der Opposition teil.

In der ersten demokratisch gewählten Regierung war Kuron Sozial- und Arbeitsminister. Bei der Präsidentenwahl 1995 erhielt er mehr als neun Prozent der Stimmen. Er zog sich in den vergangenen Jahren aus der Politik zurück, blieb aber der liberalen "Freiheitsunion" verbunden und sozialpolitisch engagiert.

Ehrung im Parlament

Die Mitglieder des polnischen Parlaments gedachten des 70-jährig verstorbenen Jacek Kuron am Donnerstag mit einer Schweigeminute. Der Unterhausvorsitzende Jozef Oleksy würdigte den Bürgerrechtskämpfer und Ex-Minister als "Mann mit großem Herzen und Mut, der sich ganz den Menschen und Polen gewidmet hat".

"Ohne ihn wäre der August 1980 (Anerkennung von Solidarnosc nach einer landesweiten Streikbewegung) nicht möglich gewesen", sagte der ehemalige Staatspräsident Lech Walesa über seinen einstigen Weggefährten. "Ein großer Mensch ist von uns gegangen, der sein ganzes Leben in den Dienst Polens gestellt hat und dafür, dass die Welt ein bessere wird", sagte Ex-Premier Tadeusz Mazowiecki. (APA/dpa)