Washington - Mit ihrem Konjunkturbericht "Beige Book" hat die US-Notenbank (Fed) den Märkten am Mittwoch ein weiteres Signal für ein bevorstehendes Ende der Phase niedriger Zinsen gesandt.

Mit dem Hinweis auf weiterhin mäßigen Lohn- und Preisdruck dämpfte sie zugleich Spekulationen über eine kräftige Erhöhung der US-Leitzinsen. Entsprechend hatte sich Fed-Chef Alan Greenspan bereits am Vortag geäußert.

Landesweit sei die Wirtschaft in den USA nach den Berichten der zwölf Federal Reserve Banken im April und Mai weiter gewachsen, stellte die Fed in dem Beige Book fest.

Beschäftigungssituation verbessert

"Die Beschäftigungssituation hat sich weiter verbessert, wobei sich die Neueinstellungen beschleunigten. Bei den Löhnen und Gehältern gab es nur mäßigen Aufwärtsdruck", hieß es darin.

In vielen Bereichen seien die Verbraucherpreise nur in geringem Umfang gestiegen. Allerdings seien in den meisten Distrikten der Federal Reserve Banken die Rohstoffkosten der Unternehmen gestiegen. Dies treffe insbesondere auf energieabhängige Produkte sowie auf Baustoffe und Stahl zu.

"Lockere Geldpolitik maßvoll beendet"

Greenspan hatte am Dienstag bei der Anhörung vor dem Bankenausschuss erklärt, die lockere Geldpolitik werde in den nächsten Quartalen sehr wahrscheinlich "maßvoll" beendet. Zugleich hatte er aber Spekulationen die Spitze genommen, die Fed könnte eine deutlich Anhebung der Zinsen planen.

Vor allem die stark gestiegenen Energiepreise hatten die Vermutung genährt, die Notenbank werde kräftig auf die Bremse treten, um der Inflation keine Gelegenheit zu geben, Fuß zu fassen.

Nahrung hatten der Zinsspekulation die US-Verbraucherpreise im Mai geliefert, die angesichts der starken Verteuerung auf dem Energiesektor so stark wie seit Januar 2001 nicht mehr gestiegen waren.

Inflation keine Bedrohung

Greenpsan stellte jedoch fest: "Unsere generelle Ansicht ist, dass Inflationsdruck höchstwahrscheinlich keine ernste Besorgnis in der nächsten Zukunft darstellt." Allerdings könnten die zuletzt rasant gestiegenen Energiepreise noch zu einem Problem werden. Die Fed werde dies weiter genau beobachten.

Das Beige Book wird turnusmäßig von den Federal Reserve Banken erstellt, diesmal von der Federal Reserve Bank von St. Louis auf Basis von Daten bis zum 7.Juni. Es dient dem für die Geldpolitik verantwortlichen Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) als wichtige Grundlage für seine Zinsentscheidungen.

Das Gremium kommt am 29. und 30. Juni zu seinem nächsten geldpolitischen Treffen zusammen. Viele Volkswirte rechnen damit, dass die Fed ihren als Schlüsselzins geltenden Zielsatz für Tagesgeld um 25 Basispunkte anheben wird. Dieser liegt derzeit mit 1,00 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit 1958. (APA/Reuters)