Brüssel - SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer sieht den von der Europäischen Volkspartei (EVP) für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten nominierten britischen EU-Außenkommissar Chris Patten nicht als Zählkandidaten. Gusenbauer sagte am Dienstag nach dem Treffen der sozialdemokratischen EU-Partei- und Regierungschefs in Brüssel gegenüber der APA, Patten sei ein "ernst zu nehmender Kandidat". Die Chancen des liberalen belgischen Premierministers Guy Verhofstadt sieht er nunmehr als "dramatisch reduziert" an. Er sei schon bisher auf den Widerstand "einer Reihe von Regierungen" gestoßen.

Noch kein abgeschlossenes Bild in der SPE

Die Sozialdemokratische Partei Europas (SPE) sei nicht a priori gegen den britischen Konservativen, erläuterte Gusenbauer. Da die EVP die stärkste Partei auf EU-Ebene sei, habe sie das Recht, als erste einen Kandidaten vorzuschlagen. Man habe sich aber noch kein abschließendes Bild über Patten gebildet. Aus sozialdemokratischer Sicht müsse der künftige Kommissionspräsident "ein Verfechter des europäischen Projekts" sein und auch die EU-Verfassung sowie die Vertiefung der Union unterstützen.

Dass Patten aus einem äußerst EU-kritischen Land kommt, sieht Gusenbauer nicht unbedingt als Nachteil. "Seine Ernennung zum Kommissionspräsidenten wäre eine bedeutenden Verstärkung des proeuropäischen Lagers in Großbritannien", sagte er. "Ich bin eher optimistisch, dass es bei der Verfassung eine Einigung geben wird als beim Kommissionspräsidenten", sagte Gusenbauer weiter. Die SPE werde "in der ersten Runde" der Beratungen keinen eigenen Kandidaten vorschlagen.

Er räumte ein, dass es "noch einige ernst zu nehmende Kandidaten in der Hinterhand" gebe. Zu den Chancen von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) bemerkte Gusenbauer: "Ich schätze sie genau so ein wie Schüssel selbst und er hat schon gesagt, dass sie nicht sehr groß sind". (APA)