Rehhagel hat alles unter Kontrolle.

Porto - Die griechische Nationalmannschaft steht bei der Fußball-EM in Portugal vor dem größten Erfolg ihrer Geschichte, eines der hoch gehandelten Teams von der iberischen Halbinsel wird wohl schon nach der Vorrunde die Koffer packen. Mit einer taktischen Meisterleistung erkämpften sich die vom deutschen Trainer Otto Rehhagel betreuten Griechen am Mittwoch in Porto gegen Spanien ein 1:1 und gehen als Tabellenführer in den letzten Spieltag der Gruppe A.

Remis reicht den Griechen

Griechenland reicht schon ein Remis gegen Russland zum sicheren Platz im Viertelfinale, während sich Spanien und Veranstalter Portugal (2:0 gegen Russland) den zweiten Aufsteiger im direkten Duell ausmachen. Gewinnt Portugal nicht, könnten die Griechen sogar verlieren. "Eine einmalige Chance tut sich für den griechischen Fußball auf, die wollen wir nützen", sagte Rehhagel. Erstmals könnte die Hellenen bei einem Endrunde-Turnier die Vorrunde überstehen, sowohl bei der EM 1980 (zwei Niederlagen, ein Remis, 1:4 Tore) als auch bei der WM 1994 (drei Niederlagen, 0:10 Tore) waren sie heillos überfordert.

Unter Trainer-Fuchs Rehhagel allerdings schafften die Griechen den Anschluss zur europäischen Spitze. Rehhagel übernahm die Mannschaft vor drei Jahren, nach einer 1:5-Pleite beim Debüt gegen Finnland hagelte es zwar kräftig Kritik, doch mittlerweile ist der 65-Jährige beliebt wie kaum ein anderer im Land. Rehhagel, der sich mit der fast fehlerfreien Nationalhymne in die Herzen der Fans sang, wurde zu "König Rehhakles" geadelt und zum Gesicht des Jahres gewählt.

Handschrift unverkennbar

Seine Handschrift ist unverkennbar, an Rehhagels Taktik scheiterte am Montag schon wieder Spanien, bereits in der Qualifikation nur auf Platz zwei hinter den Griechen. Zwar konnte die Mannschaft um Kapitän Theodoros Zagorakis nicht an die Leistung vom 2:1-Auftaktsieg gegen Portugal anschließen, blieb in der Offensive harmlos, stand aber in der Defensive wieder massiv. Nur Morientes konnte sich nach Raul-Fersler entscheidend durchsetzen, Charisteas verwertete aber eine der ganz wenigen Chancen zum Ausgleich.

"Spanien war in der Ballzirkulation und im Pressing besser als wir, aber wir haben mit einer hohen Leidenschaft und Hingabe gespielt. In der letzten Viertelstunde konnten wir uns nicht mehr befreien, das ist ein Manko, das wir beheben müssen", erklärte Rehhagel, der nichts von einem ungerechten Ergebnis wissen wollte. "Es gibt im Fußball nicht gerecht oder ungerecht, da gibt es nur das Ergebnis."

Iberischer Showdown

Während die Griechen den Punkt wie einen Sieg feierten, galten die Gedanken der Spanier schon den Portugiesen. "Das Spiel gegen Portugal wird schwer, aber ich glaube, dass Spanien und Griechenland ins Viertelfinale kommen", erklärte Stürmerstar Raul, der selbst "ein bisschen überrascht" war, dass er zum besten Spieler der Partie gewählt wurde. Denn der Torjäger von Real Madrid konnte sich kaum durchsetzen und musste in der Schlussphase dem erst 20-jährigen Talent Fernando Torres Platz machen. "Raul hat sich etwas zurückfallen lassen, aber wir haben viel über die Flanken gespielt und ich wollte vorne einen drin haben", erklärte Teamchef Inaki Saez.

Die Spanier müssen in ihrem letzten Gruppenspiel wahrscheinlich zwei Abwehrspieler ersetzen. Carlos Marchena fällt nach der zweiten Gelben Karte auf jeden Fall aus, Carles Puyol humpelte mit einer Knieverletzung vom Platz und ist fraglich. "Derzeit schaut es nicht gut aus," sagte der Barcelona-Verteidiger, der allerdings noch auf eine Besserung bis zum Wochenende hoffte.(APA)