Der ORF-Stiftungsrat will die strategischen Unternehmensziele des öffentlich-rechtlichen Rundfunks diskutieren. Zu diesem Zweck wird man sich im September zu einer Klausur treffen, wurde bei der Sitzung des obersten ORF-Aufsichtsgremiums beschlossen.

Update

Ein "Update der strategischen Ziele" wünscht sich der ORF-Aufsichtsrat, wie es ein Mitglied formulierte. Die "Halbzeit" der Funktionsperiode von ORF-Generaldirektorin Monika Lindner sei dafür ein passender Zeitpunkt.

Debatte über McKinsey-Studie

Anlass fürs Nachdenken über die Strategie war aber auch die Debatte über die Unternehmensberater von McKinsey. Die haben in den vergangenen Wochen im ORF nach Sparpotenzial gesucht und waren Medienberichten zufolge auch fündig geworden. Kolportiert wird eine mögliche Personalreduktion um 270 Mitarbeiter.

Fiedler: "Unnötige Attacke des Kaufmännischen Direktors auf das Ansehen des ORF"

Zentralbetriebsratschef Heinz Fiedler lief denn auch am Donnerstag Sturm gegen die "unnötige Attacke des Kaufmännischen Direktors auf das Ansehen des ORF", wie er zu Journalisten am Rande der Sitzung sagte: Das Einsetzen von "Kopfjägern" sei "grober Unfug", ein gutes Unternehmen müsse selbst über Einsparungspotenziale Bescheid wissen. Alexander Wrabetz bezeichnete Fiedlers Äußerungen als "eine Einzelmeinung" und verwies auf die Klausur im Herbst.

Fußball auch Thema

Weiteres Thema war am Donnerstag die Fußball-Bundesliga - beziehungsweise ihr Fehlen im ORF-Programm, nachdem die TV-Rechte ja an Premiere und ATVplus gegangen sind. Was wird mit den nun überschüssigen Geldern passieren, fragten die Stiftungsräte, allen voran das von der SPÖ entsandte Mitglied Karl Krammer. Er wünschte sich ein "positives Signal" für das ORF-Programm. Details sollen in der nächsten Sitzung des Stiftungsrats nach dem Sommer besprochen werden.

Besetzung

Eine Änderung steht in der Besetzung des Stiftungsrats an, da das Grüne Mitglied, Wolfgang Zinggl, Nationalratsabgeordneter wird und als solcher nicht mehr im ORF-Aufsichtsrat sitzen darf, etat.at berichtete. Im Stiftungsrat bleiben will dagegen trotz geänderter politischer Vorzeichen in seinem Bundesland der Salzburger Rat, Matthias Limbeck. "Ich bleibe Stiftungsrat, ich habe das zumindest bis Ende 2005 vor. Ich habe das auch der Frau Landeshauptfrau (Gabi Burgstaller, Anm.) mitgeteilt." Um einen neuen Stiftungsrat zu entsenden, bräuchte es einen einstimmigen Beschluss der Salzburger Landesregierung. "Das kann ich mir nicht vorstellen", so Limbeck.

Positive Bilanz 2003 genehmigt

Der Stiftungsrat hat die ORF-Bilanz für 2003 einstimmig abgesegnet. Nach Verlusten 2002 wurde wieder ein positives Ergebnis auswiesen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) war 2003 mit 5,2 Mio. Euro positiv, teilte der ORF mit. 2002 lag das EGT noch bei minus 42,5 Mio. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr von 826,3 auf 837,3 Mio. Euro. Dabei gingen die Werbeumsätze auf 312,4 Mio. Euro (2002: 324,8 Mio. Euro) zurück. Die Einnahmen aus Gebühren dagegen stiegen auf 402,3 Mio. Euro (388,6 Mio. Euro). 45,9 Prozent der ORF-Einnahmen kamen somit von den Gebührenzahlern.

Aufwendungen für Material und so genannte "bezogenen Leistungen" wurden in der Höhe von 365,5 Mio. Euro geleistet, was auf Grund des "strikten Sparkurses" unter dem Wert von 2002 (371 Mio. Euro) liege, wurde betont. Durch "einmalige Sondereffekte" stieg der Personalaufwand "geringfügig" um 1,2 Mio. Euro auf 337,9 Millionen.

Ebenfalls auf der Tagesordnung stand am Donnerstag der Beschluss, die Österreichische Rundfunksender GmbH (ORS) zu gründen. Damit werden die Weichen für die Ausgliederung der ORF-Senderinfrastruktur gestellt. (APA)