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Milosevic ist empört. Der Ex-Diktator will vor dem Haager UNO-Kriegsverbrechertribunal beweisen, dass die Vorwürfe gegen ihn "die größten Lügen über ihn und Serbien" seien.

Foto: REUTERS/ICTY
Den Haag - Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic will den früheren US-Präsidenten Bill Clinton, den britischen Premierminister Tony Blair und den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder als Zeugen in seinem Prozess laden lassen. Dies kündigte er am Donnerstag in einer vorbereitenden Sitzung des UNO-Tribunals in Den Haag zur Fortsetzung des Verfahrens nach fast vier Monaten Pause an. Zur Not müsse das Gericht juristische Zwangsmittel einsetzen, um diese und andere Politiker vorzuladen, forderte der 62-Jährige. Das Verfahren soll am 5. Juli mit der von Milosevic alleine geführten Verteidigung weitergehen.

Liste mit 1.400 Zeugen

Seit Beginn des Prozesses am 12. Februar 2002 hatte die Anklage ihre Vorwürfe wegen Verbrechen in den neunziger Jahren im Kosovo, in Kroatien und in Bosnien-Herzegowina im Einzelnen erläutert und mehr als 300 Zeugen geladen. Milosevic sagte am Donnerstag, er habe zu seiner Verteidigung bereits eine Liste mit 1400 Zeugen aufgestellt.

Der frühere Staatspräsident begründete sein Verlangen nach Ladung führender Politiker damit, dass der Westen unter Führung Clintons in den neunziger Jahren einen Krieg gegen Jugoslawien begonnen habe, der noch andauere. Der Vorsitzende Richter Patrick Robinson wies Milosevic darauf hin, dass er seinen Antrag schriftlich stellen und begründen müsse. Milosevic erklärte jedoch, dass er aus Prinzip keinen schriftlichen Antrag stellen werde, da er das Tribunal nicht als rechtens anerkenne.

150 Verhandlungstage für Milosevics Vorträge

Trotz der Klagen von Milosevic, dass er 41 Tage krank gewesen sei und nicht genug Zeit zur Vorbereitung seiner Verteidigung gehabt habe, hielt das Tribunal am 5. Juli als Beginn für den zweiten Teil des Prozesses fest. Milosevic soll dann nach einer vierstündigen Eröffnungsrede 150 Verhandlungstage Zeit erhalten, seine Ansicht zu den Anklagepunkten darzulegen.

"Die größten Lügen"

Milosevic will vor dem Haager UNO-Kriegsverbrechertribunal beweisen, dass der ihm vorgeworfene Völkermord in Bosnien-Herzegowina sowie die Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Kroatien und dem Kosovo "die größten Lügen über ihn und Serbien" seien. Milosevic sagte dies am Donnerstag bei der Vorverhandlung vor dem UNO-Tribunal, die vor dem Beginn des zweiten Prozessteils am 5. Oktober abgehalten wurde.

"Ich will die Wahrheit vortragen und die Beweise dafür präsentieren, dass hier Lügen über mich, Serbien, Jugoslawien, und die so genannten serbischen Kräfte - die Kirche, die Wissenschaftsakademie, die Streitkräfte und die Polizei, verbreitet wurden", sagte Milosevic. Er wolle vor Gericht zunächst Experten vorladen, "deren Kompetenz weltweit von niemandem" bestritten werden könne. (APA/dpa)