Der Internet-Anbieter T-Online darf sich in seiner Werbung einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) zufolge nicht als größter Internet-Provider Europas bezeichnen.

Irre

Der Verbraucher könnte diese Aussagen missverstehen und daher in die Irre geführt werden, heißt es in einem am Donnerstag in Karlsruhe veröffentlichten Urteil des Gerichts. Ein durchschnittlich verständiger Verbraucher beziehe die Werbeaussage nicht nur auf die Zahl der Kunden. Vielmehr nehme er an, dass der Dienst besonders häufig und umfangreich genutzt werde.

klage von AOL

Der Wettbewerbssenat des BGH gab damit im wesentlichen einer Klage des Konkurrenten AOL statt. Das Unternehmen hatte Werbeaussagen als irreführend angegriffen, in denen T-Online sich als eines der "weltweit größten Internetunternehmen" oder als "Europas größter Onlinedienst" bezeichnet hatte. Das Oberlandesgericht Hamburg hatte AOL recht gegeben (Az.: I ZR 284/01).

Nicht der Fall

T-Online erwecke mit Werbung wie dieser den Eindruck, in ganz Europa präsent zu sein, erklärte der BGH. Das sei jedoch nicht der Fall, da der Anbieter beispielsweise in Großbritannien und Skandinavien nicht vertreten sei, bestätigte der BGH das OLG im Wesentlichen.

Anderen von AOL angegriffenen Werbeaussagen, wonach T-Online "Spitzenreiter in Europa" sei, beanstandete das Gericht nicht. Solche Werbeaussagen seien nicht irreführend, hieß es. In diesem Punkt hob der erste Senat das Urteil auf und wies die Sache zur erneuten Entscheidung an das OLG zurück. (Reuters)