Brüssel - Deutschland und Frankreich halten am belgischen Ministerpräsidenten Guy Verhofstadt als nächsten EU-Kommissionschef fest. Deshalb nahm der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder nach Angaben von Regierungssprecher Bela Anda Donnerstag Abend auch nicht an den Vier-Augen-Gesprächen mit dem Ratsvorsitzenden, dem irische Ministerpräsidenten Bertie Ahern, teil. Dieser wollte in Einzelgesprächen mit seinen Kollegen die Chancen der Kandidaten für die Nachfolge von Kommissionschef Romano Prodi ausloten. Frankreichs Präsident Jacques Chirac verließ den Gipfel wegen eines anderen Termins, wird aber am Freitag wieder nach Brüssel zurückkehren. Er lässt sich in der Zwischenzeit durch Schröder vertreten. Dieses äußerst ungewöhnliche Verfahren haben beide bereits ein Mal im Oktober letzten Jahres in umgekehrter Weise praktiziert.

Auch der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker haben ihre Unterstützung für den belgischen Ministerpräsidenten Guy Verhofstadt als Nachfolger von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi bekräftigt. "Mit Guy Verhofstadt hätten wir einen überzeugenden Europäer, der den Job kann", sagte Schröder am Freitag bei seinem Eintreffen zu den Beratungen der Staat- und Regierungschefs am zweiten Tag des EU-Gipfels in Brüssel.

Juncker unterstrich erneut, selbst keine Ambitionen auf das Amt zu haben. Er gehöre zu den "altmodischen Politikern", die ihre Wahlversprechen halten, sagte er. Juncker wäre der Wunschkandidat aller EU-Staaten, hatte vor den Parlamentswahlen in Luxemburg aber versprochen, dass er dem Ruf nach Brüssel nicht folgen werde. Verhofstadt selbst betrat das Ratsgebäude mit demonstrativem Lächeln, ohne einen Kommentar abzugeben. (APA/dpa)