Wien - Massive Kritik an den Aussagen des neuen Präsidenten der Industriellenvereinigung (IV), Veit Sorger, übte Donnerstag Abend ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch in einer Aussendung. "Mit Rezepten, die sich schon in der Vergangenheit nicht bewährt haben, kann man die Probleme von heute und morgen erst recht nicht lösen", so Verzetnitsch.

In Österreich gebe es bereits ein sehr hohes Maß an Flexibilisierung, betonte der ÖGB-Präsident. "Der ÖGB und die Gewerkschaften sind aber gerne bereit, mit der IV innovative und zukunftsorientierte Lösungsvorschläge auszuarbeiten. Wir blicken gerne gemeinsam nach vorne, um gemeinsame Projekte wie etwa jenes zur Integration älterer ArbeitnehmerInnen weiter stärken."

"Einkommen der ArbeitnehmerInnen kürzen"

"Es wäre ehrlicher, wenn jene, die eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich fordern, gleich offen zugeben würden, dass sie in Wahrheit die Einkommen der ArbeitnehmerInnen kürzen wollen. Denn nichts anderes würde eine Arbeitszeitverlängerung und Abschaffung der Feiertage ohne Lohnausgleich bedeuten", kritisierte Verzetnitsch. "Dafür sind wir GewerkschafterInnen sicher nicht zu haben."

Der ÖGB-Präsident bedauerte auch die volkswirtschaftliche Kurzsichtigkeit der Anhänger einer Arbeitszeitverlängerung: Das schaffe erstens keinen zusätzlichen Arbeitsplatz. Zweitens würden derartige Maßnahmen die Einkommen der Arbeitnehmer kürzen, worunter besonders die Binnennachfrage leiden würde. "Diese ist aber laut WirtschaftsexpertInnen entscheidend für den Wirtschaftsaufschwung in unserem Land." Verzetnitschs Resümee: "Arbeitszeitverlängerung schafft keinen neuen Arbeitsplatz und schwächt die so wichtige Kaufkraft der Konsumenten für das notwendige Wirtschaftswachstum."(APA)