Im Rahmen eines Aktionstages der deutschen IG Metall haben am Donnerstag mehrere tausend Siemens -Beschäftigte in Bayern gegen Pläne des Elektrokonzerns für einen Abbau von Arbeitsplätzen protestiert. Die Schwerpunkte der Aktionen hätten in Erlangen, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Bad Neustadt an der Saale gelegen, teilte die IG Metall mit. Auch in anderen Bundesländern hatte die IG Metall zu Protesten gegen die Pläne des Siemens-Managements aufgerufen.

"Vorsorglich arbeitslos".

Allein in Erlangen und Nürnberg beteiligten sich mehr als 1.000 Siemens-Beschäftigte an den Aktionen. In Nürnberg meldeten sich mehr als 400 Beschäftigte bei einer Kundgebung vor dem örtlichen Arbeitsamt "vorsorglich arbeitslos". Eine Rolle mit den aneinander geklebten Arbeitslosenmeldungen übergaben Arbeitnehmervertreter dem stellvertretenden Leiter des Nürnberger Arbeitsamtes, Heinz Schmidt. In Regensburg und Cham war für Mittag jeweils ein Autokorso geplant, in Würzburg und Bad Neustadt Protestkundgebungen.

Siemens hatte in den vergangenen Wochen wiederholt gedroht, 5.000 Arbeitsplätze zu streichen oder ins Ausland zu verlagern. In Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern werden derzeit Lösungen zur Kostensenkung in deutschen Werken gesucht. Bei Gesprächen Anfang Juni näherten sich die Parteien an. Siemens will längere Arbeitszeiten bei gleicher Entlohnung. Betroffen seien hauptsächlich die Handy-Sparte, die Trafo-Herstellung und die Automatisierungstechnik, hieß es.

Lösungen

Ziel des Aktionstags sei es ausdrücklich nicht zu verhindern, "dass für problembehaftete Standorte von Siemens betriebliche Lösungen gefunden werden", betonte der Vorsitzende des IG-Metall-Bezirks Baden-Württemberg, Jörg Hofmann, in der "Berliner Zeitung" (Freitagsausgabe). Siemens-Chef Heinrich von Pierer und der übrige Konzernvorstand wollten aber "generell und flächendeckend ohne zwingende Notwendigkeit die Arbeitsbedingungen massiv verschlechtern". Es sei nicht hinzunehmen, dass der Schwarze Peter für den Abbau tausender Arbeitsplätze in Deutschland und für die geplante Mehrarbeit ohne Bezahlung den Belegschaften zugeschoben werden solle.

Ein Schwerpunkt der Gewerkschaftsproteste sind die nordrhein-westfälischen Standorte Bocholt und Kamp-Lintfort. Die Produktion der dortigen Siemens-Telefonwerke will der Konzern aus Kostengründen in ein neues Werk in Ungarn verlagern; nach Gewerkschaftsangaben sollen rund 2000 von 4500 Arbeitsplätzen gestrichen werden. Bundesweit sind laut IG Metall 10.000 Jobs akut bedroht. Überdies will der Siemens-Vorstand die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich auf 40 Stunden ausweiten.(APA)