Wien - Kein Vertrauen in die Regierung und Sehnsucht nach dem Kommunismus. So könnte man die Ergebnisse einer Studie zusammenfassen, die unter 1500 Bosniern durchgeführt und am Freitag in Wien präsentiert wurde. Demnach stimmten 45 Prozent der Befragten aus der bosniakisch-kroatischen Föderation (49 Prozent Bosniaken, 32 Prozent Kroaten) für eine Neuauflage des kommunistischen Systems. Unter den Befragten der Republik Srpska waren es 36 Prozent.

Auf die Frage, ob es besser wäre, das Parlament und Wahlen abzuschaffen, stimmten 49 Prozent aus der Föderation (51 Prozent Bosniaken, 42 Prozent Kroaten) und 30 Prozent aus der Republik Srpska mit "Ja". Eklatant macht sich das Misstrauen der Befragten gegenüber dem Parlament aus: Nur drei (Republik Srpska) beziehungsweise vier Prozent (Föderation) der Befragten gaben an, dem Parlament zu vertrauen, während vergleichsweise in Österreich immerhin repräsentative 21 Prozent der Bevölkerung dem Parlament das Vertrauen aussprechen.

Mit dem gegenwärtigen Lebensstandard gaben sich nur 27 Prozent (Föderation), beziehungsweise 16 Prozent (Republik Srpska) der Befragten zufrieden. Auf die Frage, innerhalb welches Zeitraums ein zufrieden stellender Lebensstandard erreicht werden könne, antwortete ein Drittel aller Befragten mit "niemals". Deutlich größere Hoffnung verbanden die Befragten mit einem möglichen EU-Beitritt Bosniens: 52 Prozent aus der Föderation und 32 Prozent aus der Republik Srpska gaben an, "sehr dafür" zu sein, während sich nur ein, beziehungsweise drei Prozent als "sehr dagegen" bezeichnete.

Der österreichische UNO-Botschafter in Genf, Wolfgang Petritsch, bezeichnete die Daten als Besorgnis erregend. Die Nostalgie nach dem altem Regime sei zwar "menschlich verständlich" - Tito habe der Region immer große Aufmerksamkeit zukommen lassen - aber politisch eine Katastrophe. Dazu hätten sich die Lebensbedingungen der Bosnier seit dem Kriegsende im Jahr 1995 kaum verändert.

Petritsch forderte daher den politischen Willen Europas ein, sich auf die Länder am Balkan zu konzentrieren. Denn die Europaidee sei das "einigende Band" am Balkan. Während man über ebenfalls wichtige Beitrittsverhandlungen mit der Türkei diskutiere, gebe es "mitten in Europa ein schwarzes Loch, und das ist der Balkan", betonte Petritsch.

Darunter falle eine Entscheidung der internationalen Gemeinschaft zum Status des Kososvo. "So lange die Statusfrage nicht geklärt ist, wird es auf dem Balkan keinen Frieden geben", betonte der UNO-Botschafter. (APA)