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Die CMS bietet strengen Schutz für gefährdete Arten und regt grenzübergreifende Kooperationen für Tiere an, die Wanderungen über nationale Grenzen hinweg unternehmen (im Bild eine Fledermaus).

Foto: APA/dpa/Holger Hollemann
Wien - Am 23. Juni wurde die Bonner Konvention 25 Jahre alt. Als eines von zwei europäischen Ländern ist Österreich noch immer nicht Mitglied dieses Übereinkommens zum Schutz der wandernden wildlebenden Tierarten (CMS). Trotz der Zusage sämtlicher Landesregierungen und obwohl die Europäische Union Vertragspartei dieses globalen Umweltabkommen ist, "glänzt" Österreich durch Abwesenheit. Die Organisationen Greenpeace, WWF und die "Whale and Dolphin Conservation Society" (WDCS) sind sich einig, dass gerade das Jubiläum genügend Anlass für die Bundesregierung ist, den längst überfälligen Schritt zum Beitritt zu setzen.

Die Bonner Konvention ist ein internationaler Umweltvertrag mit dem Ziel, alle Tierarten, die über Luft, Wasser oder Landwege wandern, in ihrem Verbreitungsgebiet zu erhalten. Dazu gehören Arten wie Buckelwale, Walhaie, Berggorillas und Braunbären ebenso wie Zugvögel, Fledermäuse oder Schmetterlinge. Das Übereinkommen wurde 1979 verabschiedet und trat 1983 in Kraft, die Zahl der Mitglieder ist unterdessen auf 86 Länder gewachsen. Außer Estland ist Österreich das einzige EU-Land, das nicht Mitglied der CMS ist.

Strenger Schutz und Kooperationen

Die CMS bietet strengen Schutz für gefährdete Arten und regt grenzübergreifende Kooperationen für Tiere an, die Wanderungen über nationale Grenzen hinweg unternehmen. Die Konvention setzt rechtliche Rahmen für Schutzmaßnahmen und bietet eine Plattform für Forschung und die Umsetzung von Aktionsplänen. Mehr als ein Dutzend rechtlich verbindlicher regionaler und globaler Abkommen sind bereits vereinbart worden. Diese dienen u.a. dem Schutz von Fledermäusen in Europa, der Großtrappe in Mitteleuropa oder Walen und Delfinen im Mittelmeer.

"Österreich muss seine Verantwortung im internationalen Naturschutz wahrnehmen und einem so wichtigen Abkommen wie der Bonner Konvention endlich beitreten", fordert Greenpeace-Biologin Antje Helms. "Wenn Österreich nicht die Chance nutzt und gleichzeitig allen relevanten Unterabkommen beitritt, verzögert sich die Umsetzung dringender Schutzmaßnahmen noch weitere Jahre", befürchtet Helms.

"Notwendige Stimme"

"Tiere, die Grenzen überschreiten, brauchen auch grenzüberschreitenden Schutz", so Gerald Dick, internationaler Artenschutzexperte des WWF. "Österreich ist ein beliebtes Transitland für gefährdete Arten wie Haubentaucher, Weißstorch oder viele Fledermausarten. Daher ist Österreichs Stimme im internationalen Artenschutz dringend notwendig."

"Wale und Delfine sind als die Nomaden der Meere zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Konsequenter Schutz dieser Tiere kann nur in und durch die zuständigen Gremien erfolgen. Liegt Österreich der Schutz der Meeressäuger am Herzen, wie vielfach beteuert wurde, ist ein rascher Beitritt zur Bonner Konvention Pflicht", erklärte Nicolas Entrup, Sprecher der WDCS. (red)