Washington - Das Defizit in der US-Leistungsbilanz hat sich im ersten Quartal überraschend deutlich auf ein Rekordniveau ausgeweitet. Der Fehlbetrag stieg auf rund 144,9 Mrd. Dollar (120,3 Mrd. Euro), wie das US-Handelsministerium am Freitag in Washington mitteilte.

Im vierten Quartal 2003 hatte das US-Leistungsbilanzdefizit nach revidierten Angaben noch bei 127,0 Mrd. Dollar gelegen.

Geringerer Anstieg erwartet

Analysten hatten für das erste Quartal im Schnitt mit einem geringeren Anstieg auf 141 Mrd. Dollar gerechnet. Das hohe US-Leistungsbilanzdefizit gilt als einer der Hauptgründe für die Schwäche des Dollar, da die USA zur Finanzierung des wachsenden Fehlbetrags immer mehr ausländisches Kapital benötigen.

Auftrieb für Euro

Dem Euro hat der Anstieg des US-Leistungsbilanzdefizites auf ein Rekordhoch am Freitag Auftrieb gegeben. Die Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,2083 Dollar. "Die Zahlen haben den Anlegern wieder die Augen dafür geöffnet, wie bedenklich die Defizitsituation in den USA ist", sagte ein Händler. "Das nährt natürlich die Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen, denn ein Ende des Defizitwachstums ist ja nicht in Sicht." Im vergangenen Jahr hatten viele Anleger auf Grund von Zweifeln an der Finanzierbarkeit der US-Defizite bei Leistungsbilanz und Haushalt massiv Dollar verkauft.

Warnung vor drastischem Zinsanstieg

Die Bank von Spanien warnte indes vor massiven Kursverlusten des Dollar oder einem drastischen Anstieg der langfristigen Zinsen, sollten die USA ihr Handelsdefizit nicht verringern. Dies könne die weltweite Konjunkturerholung ernsthaft gefährden.

Die jüngsten Zinserhöhungen in einigen Ländern außerhalb der Euro-Zone bremsten allerdings die Aufwertung des Euro, sagten Börsianer weiter. "Der Euro wird von der Markteinschätzung belastet, dass die EZB dem beginnenden Zinserhöhungszyklus hinterherhinken wird", sagte Devisenstratege Shahab Jalinoos von ABN Amro mit Blick auf die Zinsschritte in Großbritannien und der Schweiz sowie die erwartete Anhebung in den USA.

"Konjunktur in Euro-Zone "noch zu schwach"

Die Chancen für eine baldige Erhöhung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) schätzten Börsianer allerdings als gering ein. "Die Konjunktur in der Euro-Zone ist noch zu schwach", sagte ein Händler. "Schließlich wurde bis vor kurzem am Markt noch über eine Zinssenkung diskutiert."

Im Referenzkursverfahren EuroFX wurde der Kurs des Euro mit 1,2000 (Vortag 1,2056) Dollar festgelegt. Die EZB ermittelte den Referenzkurs mit 1,2042 (1,2045) Dollar. (APA/Reuters)