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Spaniens Keeper Santiago Canizares bei Entspannungsübungen.

Foto: APA/ RAFAEL DIAZ
Lissabon - Niemand will das Duell, und doch fiebern ihm alle entgegen: Gastgeber Portugal und Spanien rüsten sich für die bisher brisanteste Begegnung der Fußball-Europameisterschaft. Der EM-Gastgeber muss im 35. iberischen Derby am Sonntag (20.45 Uhr MESZ) im Lissabonner Alvalade-Stadion seine dann exakt 23 Jahre währende Sieglosigkeit beenden, soll die Endrunde im eigenen Land nicht nach der Vorrunde beendet sein. Spanien stünde schon bei einem Remis aus eigener Kraft im Viertelfinale.

"Vorweggenommenes Endspiel"

"Das ist wie ein vorweggenommenes Endspiel, das keiner haben wollte. Das wird ein Superspiel", sagt Portugals Stürmer Pauleta. "Niemand von uns wollte dort antreten, ohne schon vorher das Weiterkommen geschafft zu haben", meint Spaniens Goalgetter Fernando Morientes. Doch der 1:2-Ausrutscher der Hausherren zum Auftakt gegen Griechenland und das 1:1 der Spanier gegen Otto Rehhagels Hellenen haben der Partie Riesenspannung verliehen.

Spieler beider Teams betonen, dass sie am liebsten gemeinsam den Einzug unter die letzten Acht feiern würden. Doch dafür gibt es nur eine Konstellation: Griechenland und Spanien müssten verlieren, und die Niederlage der Spanier müsste knapper ausfallen als jene der Griechen gegen die bisher punkt- und torlosen Russen.

Die Spanier haben für solche Rechnereien keinen Grund. Im vergangenen September fertigten sie die Portugiesen in einem Testspiel in Guimaraes 3:0 ab, nachdem es zuvor fünf Remis in Serie gegeben hatte, u.a. ein 1:1 bei der EM-Endrunde 1984 in Frankreich. Den jüngsten ihrer sechs Siege schafften die Portugiesen mit 2:0 am 20. Juni 1981. Andererseits: Die Spanier fuhren vor neun Monaten ihren ersten Erfolg über den kleinen Nachbarn seit 1958 ein.

Statistiken spielen für die Akteure beider Seiten sowieso keine Rolle. "Wir müssen Charakter zeigen, wir müssen vorsichtig sein, denn das wird eine ganz heiße Sache", sagt Portugals Mittelfeldspieler Francisco Costinha, einer von fünf Akteuren aus dem Team von Champions-League-Sieger FC Porto, die Teamchef Luiz Felipe Scolari beim 2:0 über Russland in die Anfangsformation berief.

Zukunft der Trainer ungewiss

Der auslaufende Vertrag des brasilianischen Weltmeistermachers dürfte kaum verlängert werden, sollten die Portugiesen im eigenen Land ab Sonntag nur noch Zuschauer sein. Sein spanischer Kollege Inaki Saez hat zwar einen gerade bis zur Weltmeisterschaft 2006 verlängerten Kontrakt in der Tasche, doch spanische Medien rechnen im Fall des Ausscheidens mit seinem Abschied, nachdem sie seine Personalentscheidungen gegen Griechenland schon heftig kritisiert hatten.

"Ich habe nichts zu bereuen", konterte der 61-Jährige, den die Sperre für Carlos Marchena und der erwartete Ausfall von Joseba Etxeberria sowieso zu kleineren Umstellungen zwingen. Das bringt den schwergewichtigen Coach nicht aus der Ruhe: "Wir sind schwer zu schlagen und haben erst einmal verloren, so lange ich Nationaltrainer bin. Dass es im letzten Spiel um alles geht, ist nicht dramatisch. Spanien ist es gewohnt, dass es in solchen Turnieren seine Chancen im letzten Moment wahrnehmen muss."

Und dies außer dem EM-Titel 1964 und dem EM-Finale 1984 in der Regel nicht tut. Entsprechend pessimistisch sind die eigenen Fans. Bei einer Internet-Umfrage der Tageszeitung "El Mundo" rechneten 65 Prozent der Teilnehmer mit dem Ausscheiden am Sonntag. (APA/dpa)

Sonntag:
  • Spanien - Portugal (Alvalade-Stadion in Lissabon, 20.45 Uhr MESZ, Schiedsrichter Anders Frisk/Schweden):
    Spanien: Casillas - Puyol, Juanito oder Cesar, Helguera, Raul Bravo - Etxeberria, Albelda, Baraja, Vicente - Morientes, Raul Gesperrt: Marchena
    Portugal: Ricardo - Ferreira, Andrade, Carvalho oder F. Couto, Nuno Valente - Costinha, Maniche, Figo, Deco - Pauleta, Simao