Wien - Die vier Parlamentsparteien haben sieben Kandidaten für die Nachfolge von Rechnungshofpräsident Franz Fiedler nominiert.

Im Folgenden Kurzportraits der KandidatInnen:

ÖVP:

Anna Maria HOCHHAUSER (47), nominiert von der ÖVP, ist die einzige Frau unter den sieben Bewerbern für die Nachfolge von Rechnungshof-Präsident Franz Fiedler. Die oberösterreichische Juristin und ÖVP-Politikerin kam 2000 als Büroleiterin von Präsident Christoph Leitl (V) in die Wirtschaftskammer Österreich und stieg Anfang 2003 zur stellvertretenden Generalsekretärin auf.

Hochhauser gilt als eine der engsten Vertrauten Leitls. Sollte sie im Rennen um die Fiedler-Nachfolge leer ausgehen, werden ihr gute Chancen nachgesagt, die Nachfolge von Wirtschaftskammer-Generalsekretär Christian Domany zu übernehmen. Domany wechselt Anfang Oktober in den Vorstand der Flughafen Wien AG. Hochhauser ist seit 1983 verheiratet und vertritt die Wirtschaftskammer im Österreich-Konvent.

Johannes HENGSTSCHLÄGER (63) ist im Jahr 1995 erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Er wurde vom Niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll (V) als Überraschungskandidat für die Nachfolge von Erhard Busek als ÖVP-Chef ins Spiel gebracht wurde. Letztlich musste der frühere Universitätsdirektor damals aber machtlos im Wiener Traditionscafe Landtmann warten, bis sich die Partei auf den heutigen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) einigte.

Hengstschläger studierte Rechtswissenschaft in Linz, ist seit 1978 Professor für öffentliches Recht und war zwischen 1991 und 1996 Rektor an der Universität Linz. Zwischen 1993 und 1995 war er auch Vorsitzender der Österreichischen Rektorenkonferenz. Eines seiner Lieblingsthemen als Professor war stets der Rechnungshof, für dessen Leitung er bereits 1992 von der ÖVP ins Gespräch gebracht wurde. Damals musste er allerdings dem nun scheidenden Präsidenten Franz Fiedler den Vortritt lassen.

Johannes Hengstschläger wurde am 15. Juli 1940 in oberösterreichischen Lichtenberger geboren.

Der gebürtige Wiener Karl LENGHEIMER (57) ist derzeit Landtagsdirektor in Niederösterreich. Er gilt als Intimus von Landeshauptmann Erwin Pröll (V) und ist ausgewiesener Verwaltungsexperte. Seine Dissertation schrieb er zum Thema "Gehorsampflicht der Verwaltungsorgane". Aktuell ist Lengheimer auch im Österreich-Konvent engagiert, der mit der Ausarbeitung einer neuen österreichischen Verfassung beauftragt wurde.

Auf kommunaler Ebene war Lengheimer lange Jahre für die ÖVP aktiv. Er galt innerparteilich als Rebell und kandidierte bei seiner zweiten Wahl sogar unter der Liste Lengheimer. Von 1987 bis 1997 war er Bezirksvorsteher im vierten Wiener Gemeindebezirk (Wieden). Sein Rückzug erfolgte unter anderem aus finanziellen Gründen. Vergleichbare Jobs seien besser bezahlt, begründete der fünffach Vater damals.

SPÖ

Ewald NOWOTNY (59) - ist der Kandidat der SPÖ für den Rechnungshof. Der Vize-Rektor der Wirtschaftsuniversität saß für die Sozialdemokraten nicht weniger als 21 Jahre (1978-1999) im Nationalrat, ehe er sich nach Brüssel verabschiedete, um die Funktion des Vizepräsidenten der Europäischen Investitionsbank auszuüben. Seit seiner Rückkehr nach Österreich ist er wieder an der Universität tätig.

Der gebürtige Wiener absolvierte ein Jusstudium und habilitierte sich bereits im Alter von 27. Tätig war er unter anderem an den Universitäten Linz, Darmstadt. Auch in Harvard absolvierte Nowotny ein Gastspiel. Seine fachliche Kompetenz ist unbestritten, trotzdem kam er in öffentlichen Positionen bisher nicht so zum Zug, wie sich das die SPÖ gewünscht hätte. Nicht berücksichtigt wurde er unter anderem, als es um die Bestellung der Spitzengremien in der Oesterreichischen Nationalbank ging. Zuletzt hatte ihn Parteichef Alfred Gusenbauer auch als potenziellen EU-Kommissar ins Spiel gebracht.

FPÖ:

Josef MOSER (48), gebürtiger Lienzer, gilt als Entdeckung des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider, der den Umweltaktivisten in die Politik holte. Seine Sporen verdiente sich der gesellige und stets freundliche Ost-Tiroler dabei nicht nur als Büroleiter des Landeshauptmanns sondern vor allem in der Rolle des freiheitlichen Klubdirektors im Parlament, wo man ihn 2002 nur ungern nach zehn Jahren Tätigkeit ziehen ließ.

Moser gilt schon seit Jahren als Hoffnungsträger der FPÖ. Unter anderem war er als Kandidat für die Volksanwaltschaft im Gespräch, wo letztlich aber Ewald Stadler zum Zug kam. Dafür erhielt Moser Ende 2002 einen attraktiven Posten in der Wirtschaft. Er wurde zum Generaldirektor der Eisenbahn-Hochleistungsstrecken AG ernannt. Da er diese Rolle zur allgemeinen Zufriedenheit ausübte, überraschte es dann auch wenig, dass er für den Vorstand der neuen ÖBB-Holding designiert wurde. Wird Favorit Moser nun zum Rechnungshof-Präsidenten gewählt, muss er auf diesen Posten und damit auch auf einiges Geld verzichten.

Winfried WOLF (62) ist der zweite Kandidat der FPÖ und mit dem Rechnungshof bestens vertraut. Wolf arbeitet seit 35 Jahren im Rechnungshof und ist seit 1995 als dienstältester Sektionschef Stellvertreter von Präsident Franz Fiedler (der Posten des Vizepräsidenten wurde ja 1994 gestrichen). Derzeit ist Wolf für die "Dauerbrenner" Bauwesen, Verkehr inklusive ÖBB, Land- und Forstwirtschaft sowie Kultur zuständig.

Wolf ist seit 1969 verheiratet. Im selben Jahr kam er auch in den Rechnungshof. Von 1983 bis 1984 war Wolf Kabinettchef des von der FPÖ gestellten Rechnungshofpräsidenten Tassilo Broesigke.

GRÜNE

Heinz MAYER (58) - , der Rechnungshof-Kandidat der Grünen, gilt als ausgewiesener Verfassungsexperte. Der nicht gerade medienscheue Universitätsprofessor hat zahllose Gutachten für Ministerien angefertigt, sowohl in der rot-schwarzen als auch in der schwarz-blauen Ära. Mayer ist Verfasser mehrerer juristischer Standardwerke: Etwa der Grundrisse des österreichischen Bundesverfassungsrechts sowie des österreichischen Verwaltungsverfahrensrechts.

Geboren wurde Mayer 1946 in Mürzzuschlag in der Steiermark. Nach seiner Matura am Bundesrealgymnasium in Mödling (NÖ) bewältigte er in nur vier Jahren sein Jus-Studium und wurde zum Dr. iur. promoviert. Seit 1979 ist er ordentlicher Professor. Im Österreich-Konvent zur Erarbeitung einer neuen Verfassung ist Mayer derzeit Vorsitzender des Staatsziel-Ausschusses. (APA)