Wien - Lebenslange Haft lautet das nicht rechtskräftige Urteil gegen Alfonso B., das die Geschworenen am Freitagnachmittag in Wien einstimmig gefällt haben. Die Laienrichter folgten der Forderung der Staatsanwältin, die dem 39-Jährigen vorgeworfen hatte, seine 22 Jahre alte Exfreundin, die Medizinstudentin Barbara E., ermordet zu haben - DER STANDARD berichtete.

"Er war kaltblütig bis zum Exzess. Er hat sie vorsätzlich und geplant zu Tode gebracht. Er hat sich gedacht, sie soll tot sein, damit sie kein anderer bekommt", hatte Anklägerin Susanne Waidecker in ihrem Vortrag für eine Verurteilung plädiert.

Ganz anders stellte Verteidigerin Eva Maria Barki die Vorgänge dar, die am 8. Oktober 2002 zum Tod der jungen Frau geführt haben. Es sei eine Verkettung unglücklicher Umstände gewesen, dass Alfonso B. seine ehemalige Geliebte auf der Donauinsel erst bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und dann in der neuen Donau ertränkt habe, versuchte sie die Geschworenen zu einem milden Urteil zu bewegen.

Im Gegensatz zum ersten, aus formalen Gründen aufgehobenen Prozess, bei dem der vierfache Vater nur wegen Totschlags verurteilt worden war, folgten die Laienrichter der Verteidigung diesmal nicht. Sie sahen in Alfonso B. den Mörder der Studentin, die ihn nach mehrjähriger Beziehung wegen eines Kommilitonen verlassen hatte. (DER STANDARD, Printausgabe 19.20.06.2004)