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Ein paar Punks auf dem Hauptplatz machen die Grazer Stadtregierung hilflos. Bürgermeister Siegfried Nagl sucht nun beim Land Unterstützung gegen die Irokesenträger.

Foto: Reuters/DAN CHUNG

Graz - Chaostage in der Grazer Stadtregierung: Eine kleine Gruppe jugendlicher Punks, die seit Wochen feucht und fröhlich ihre Tage vor dem Rathaus verstreichen lässt, bringt die Stadtpolitiker zur Verzweiflung - und völlig durcheinander. ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl und sein SPÖ-Vize Walter Ferk sind mit ihrem Latein am Ende. In ihrer Not baten die Stadtpolitiker jetzt das Land um Hilfe. Sie richteten eine Petition an die Landesregierung, man möge ein "Landessicherheitsgesetz" erlassen, mit dem gegen Punks nun steiermarkweit vorgegangen werden könne.

Was den Jugendlichen de facto vorgeworfen wird, ist relativ unklar. Politiker berichten über zahlreiche Beschwerden wegen "Anpöbelungen", Trinkgelagen und "Schnorrereien". Die Polizei sah sich bisher außerstande einzugreifen, weswegen Nagl eine "Unfugabwehr"-Verordnung ausarbeiten ließ. Die SPÖ stimmte nach langen Verhandlungen zu, wenn im Gegenzug ein umfangreiches Sozialpaket für die Punks geschnürt werde. Im letzten Moment sprang die SPÖ aber wieder ab - wegen verfassungsrechtlicher Bedenken.

Eine zentrale Frage bleibt nun offen: Wie kann eine gesamte Stadtregierung samt 56 Gemeinderäten wegen eines minimalen Anlasses dermaßen die Fassung verlieren ? Österreichs renommierter Soziologe Manfred Prisching von der Universität Graz sieht hinter dem vordergründig banalen Konflikt tiefe Gräben.

Ideologie und Zwist

Prisching im Gespräch mit dem STANDARD: "Es ist nur vordergründig ein kleines Problem. Dahinter stehen große ideologische Welten, die da aufeinander prallen. Die Punks, die Bettler oder die Ausländer sind nur die kleinen Auslöser für die Artikulation dieser völlig unterschiedlichen Welten." Da seien etwa jene Wirtschafts- und Tourismusinteressen, die in Randgruppen Geschäftsschädigung sehen. Diesen stünden die "Caritas-Gruppen" gegenüber. Eine weitere Gruppe vertrete die Meinung, Randgruppen dürfe nicht repressiv, sondern nur therapeutisch begegnet werden, zumal "ja die Gesellschaft an allem schuld ist".

Prisching: "Das wirkliche Problem ist, dass diese dahinter stehenden ideologischen Positionen nie wirklich ausdiskutiert werden. Es wird von den Parteien eine Konvergenz vorgegaukelt. In Wahrheit aber schwingen jedes Mal im Hintergrund diese emotionale Weltbetrachtungen mit." (DER STANDARD, Printausgabe 19./20.06.2004)