Mürzzuschlag - Als sich die Südbahn einst von Wien bis nach Triest durch Berge und Täler schnitt, veränderte sie unterwegs ein ganzes Land. Dass man in 13 Stunden und vier Minuten nicht nur Passagiere, sondern auch große Frachten von der Hauptstadt der Donaumonarchie bis zur Adria schaffen konnte, war wahrlich bahnbrechend. In Mürzzuschlag setzte man der Südbahn nun ein Denkmal. Der "Südbahn-Kulturbahnhof" ist ein Museum in einer alten Lokmontagehalle.

150-Jahr-Jubiläum

Anlass war das 150 Jahr-Jubiläum des berühmtesten Teilstücks der alten Südbahn, der Ghega-Semmeringbahn. Die Ausstellung "Über den Berg", für die Betreiber Ronald Fuchs einen Mietvertrag von sieben Jahren hat, ist nicht nur für so genannte Pufferküsser spannend. Eröffnet wird sie heute, Samstag.

Auf einer Zeitreise werden Epochen und Themenkreise mit Schaukästen, Videos, Installationen und vielen Originalstücken dokumentiert. Dabei tritt man in eine nostalgische Bahnhofshalle ein, die mit 100 Jahre alten Säulen aus dem alten Bahnhof von Wiener Neustadt bestückt ist, und kann sich in einem originalgetreu nachgebauten Hof-Staats-Café-Wagon erfrischen.

In der Haupthalle geht es dann vorbei an den ersten Pferdebahnen, Visionären und Planern wie Erzherzog Johann und Carl Ritter von Ghega direkt hinein zwischen echte alte Steinquader auf die Baustelle der berühmten Semmering-Viadukte. Wer in den Keller der Halle steigt, kann sich durch das Ziehen einer Handbremse dem virtuellen Vergnügen hingegeben, von einer alten Lok überrollt zu werden. Hier unten geht es um tödliche Zugunglücke und gruselige Geschichten, die solche stets begleiteten wie der schwarze Qualm den Zug.

Im Parterre wird auch die Rolle der Bahn in den Kriegen erzählt: Von den ersten k. u. k. Eisenbahntruppen 1870 bis zum düsteren Kapitel der Deportationen von Menschen während der Nazidiktatur. Weniger düster sind da die Stationen der von der Bahn abhängigen Industrialisierung der Mur-Mürz-Furche und das Reisen der Drei-Klasse-Gesellschaft, dass man im "Zug der Schicksale" samt vorbeiziehender Landschaft und Luftzug nachempfinden kann. (DER STANDARD, Printausgabe 19./20.06.2004)