London/Wien - Ein Drittel der Todesfälle bei Kindern in Europa geht auf das Konto von Umweltverschmutzung und Umweltunsicherheit. Das bescheinigt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im britischen Fachjournal The Lancet. 100.000 Kinder und Jugendliche sterben jährlich an Umwelteinflüssen.

Unfälle sind der kaltblütigste Killer: Sie fordern drei Viertel der jungen Leben. In den ärmeren Ländern ist Umweltverschmutzung eine der Hauptursachen für die Kindersterblichkeit.

Der Bericht untersucht die Auswirkungen der Umwelt auf die Gesundheit von unter 20-Jährigen. Die Wissenschafter um Giorgio Tamburlini vom Institut für Kindergesundheit der Universität Triest konzentrierten sich auf Verschmutzung der Außen-und Innenluft, mangelnde Hygiene, Bleibelastung und Verletzungen. Sie teilten Europas 52 Länder in drei sozioökonomische Zonen: das reiche, "alte" Europa, den Balkan und die Türkei und die Länder der ehemaligen Sowjetunion (siehe Grafik).

Verkehrsunfälle

Unfälle sind die insgesamt häufigste Todesursache, "besonders Verkehrsunfälle", betonte Tamburlini bei der Präsentation des Berichts am Donnerstag in London. Die Zahl der Verkehrstoten erhöhe sich mit dem Alter: Je weiter Kinder von zu Hause weg seien, desto höher sei die Zahl. Bei Kleinkindern sei Tod durch Ertrinken oder Feuer häufiger. Unfallverletzungen sind die einzige Kategorie von Umwelteinflüssen, die in reichen Ländern eine nennenswerte Rolle spielt.

Kinder aus ärmeren Ländern zahlen den Preis für Umweltverschmutzung: Mangelnde Hygiene und verdrecktes Wasser fordert 13.500 Kinderleben pro Jahr. Verschmutzte Innenluft kostet 10.000 das Leben - besonders wo in schlecht belüfteten Räumen mit Kohle oder Holz geheizt wird. Die meisten betroffenen Kinder bekommen Erkrankungen der Atemwege. Vor allem Kleinkinder sind betroffen, "weil sie sehr viel Zeit drinnen verbringen", erklärte Tamburlini. An Außenluftverschmutzung sterben jährlich zwischen 4000 und 14.000.

Auf der Grundlage der Studienergebnisse wurde ein Aktionsplan zur Verbesserung der Umwelt und Gesundheit der Kinder entwickelt mit regionsspezifischen Maßnahmen. Der Plan soll bei einer Konferenz kommende Woche in Budapest verabschiedet werden. (east/DER STANDARD, Printausgabe 19./20.06.2004)