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Zuper-Zlatan!

Foto:APA/Licovski
Porto - Ein sensationeller Treffer des Schweden Zlatan Ibrahimovic lässt Fußball-Italien bei der EURO 2004 vor skandinavischer Bruderschaft zittern. Mit seinem Treffer in der 85. Minute zum 1:1-Endstand verhinderte Ibrahimovic am Freitag den ersten Sieg der Italiener bei der EM in Portugal. Mit zwei Punkten aus zwei Spielen könnte den Italienern damit am Dienstag selbst ein Sieg gegen Bulgarien zu wenig sein, falls sich im Parallelspiel Schweden und Dänemark mit 2:2 oder einem höheren Remis trennen. Die italienischen Presse warf Teamchef Giovanni Trapattoni Angsthasen-Fußball vor und warnt bereits wie "Corriere dello Sport" vor einem eventuellen Skandal.

Starke Italiener zu Beginn

Eine Stunde lang agierte Italien auch ohne Spielmacher und Kapitän Francesco Totti, der wegen seiner Spuck-Attacke für drei Spiele gesperrt worden ist, wie der künftige Europameister. Doch mit der 1:0-Führung durch Antonio Cassano (37.) im Rücken schaltete Italiens Teamchef Giovanni Trapattoni in der letzten halben Stunde auf totales Catenaccio um. Zunächst nahm er den herausragenden Totti-Ersatz Cassano vom Feld, danach mit Alessandro del Piero den nächsten Offensivspieler, und ersetzte beide durch Defensiv-Spieler.

"Wir haben viel Kraft gelassen. Ich musste eingreifen, weil die Schweden Druck gemacht haben und einige Spieler müde waren", rechtfertigte Trapattoni seine Entscheidungen. Kein Verständnis dafür hatten allerdings die rund 4.000 italienischen Fans im Drachen-Stadion von Porto, die die Schachzüge des "Maestro" mit Pfiffen begleiteten, und die italienische Presse. "Trap zerstörte, was er zuvor aufgebaut hatte", kommentierte "Corriere della Sera" die Taktik im Finish.

"Eines meiner schönsten Tore"

Doch selbst elf Italiener im eigenen Strafraum konnten Ibrahimovic nicht daran hindern, vielleicht das Tor dieses Turniers zu erzielen. Mit dem Rücken zum Tor stehend traf "Zuper-Zlatan" (Dagens Nyheter) mit der Ferse über den auf der Linie postierten Vieri ins Kreuzeck. "Das war sicher eines meiner schönsten Tore und das wichtigste im Nationalteam. Als ich sah, wie sich der Ball ins Tor senkte, fühlte ich mich wie auf einem anderen Planeten. Es war ein glückliches Tor", erklärte Ibrahimovic. "Dieses Tor zeigt, welcher Top-Spieler er ist", zollte auch Teamchef Lars Lagerbäck Lob und sprach von "der vielleicht besten Nationalmannschaft seit 1994", als das "Tre Kronor"-Team bei der WM in den USA Bronze holte.

Während Schweden jubelt, droht Italien der frühe Abschied. "Das war's, wir sind so gut wie draußen", verbreitete "Il Secolo XIX" Untergangsstimmung. Die "squadra azzurra" steht erstens gegen die noch punkte- und torlosen Bulgaren unter Siegzwang und muss zudem auf einen Sieger im skandinavischen Duell hoffen.

Die Skandinavier haben's in der Hand

Endet die Partie zwischen Schweden und Dänemark allerdings mit einem 2:2 oder einem höheren Remis, würde Italien auch ein Sieg nichts nützen, da dann bei Punktegleichheit der drei Mannschaften die direkten Duelle zählen. Italien, Schweden und Dänemark hätten da je zwei Punkte und ein ausgeglichenes Torverhältnis, Schweden (3:3 Tore) wäre aber Gruppensieger auf Grund der mehr geschossenen Tore vor Dänemark (2:2) und Italien (1:1). Bei einem 1:1 müsste Italien höher als 2:0 gewinnen, bei einem 0:0 wäre Italien mit einem Sieg vor Dänemark.

"Ich hoffe, dass es zwischen Schweden und Dänemark ein echtes Fußball-Spiel wird. Wir müssen unsere Leistung wiederholen und gewinnen, dann müssen andere rechnen", meinte Trapattoni. Dass die Mathematik in den Köpfen mitspielt, glaubt Ibrahimovic aber nicht: "Du kannst nicht auf ein Remis spielen, wir spielen auf Sieg." (APA)