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Bill Clinton hätte noch das Ende der UN-Waffeninspektionen abgewartet, bevor er den Irak angreift.

Foto: AP/Greg Gibson, File
New York - Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton hält die Entscheidung seines Nachfolgers George W. Bush für den Irak-Krieg zwar prinzipiell für richtig, den Zeitpunkt der Invasion allerdings für falsch. "Ich habe Präsident Bush wiederholt für den Vorstoß im Irak verteidigt, auch wenn ich denke, dass er hätte warten sollen, bis die UN-Inspektionen vorbei waren", sagte Clinton in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit dem US-Magazin Time.

"Ich hätte es nicht getan, bis Hans Blix (ehemaliger UN-Waffeninspekteur im Irak) seine Arbeit erledigt hätte", sagte er. Es war Clintons erstes Print-Interview im Rahmen der groß angelegten PR-Kampagne zum Erscheinen seiner Biografie "Mein Leben". Sie kommt am Dienstag in den Vereinigten Staaten auf den Markt.

Clinton zufolge sind die USA im Irak einmarschiert, weil Bush davon überzeugt gewesen sei, dass es den Irakern dann besser gehen würde und die autoritären arabischen Regime im Nahen Osten aufgerüttelt werden könnten. Zudem sei davon ausgegangen worden, dass der Einfluss der USA auf die Friedensbemühungen zwischen Palästinensern und Israelis dadurch erhöht würde, sagte Clinton. Die Ergebnisse seien aber bisher gemischt.

Noch fünf Jahre im Irak

"Ich glaube nicht, dass wir aus dem Gröbsten heraus sind", sagte der frühere amerikanische Präsident Bill Clinton in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zur US-Besatzung im Irak. Bis "ein friedlicher, sicherer und pluralistischer Irak" entstehe, werde noch ein halbes Jahrzehnt vergehen. Der für den 1. Juli geplante Machttransfer an die irakische Übergangsregierung könnte laut Clinton ein Zeichen für die Einsicht der Regierung unter seinem Nachfolger George W. Bush sein, "dass es so besser ist".

Im Zusammenhang mit den Problemen im Irak und den Spannungen im Verhältnis zwischen den USA und Europa äußerte Clinton die Hoffnung, "dass der ganze Prozess zurück zu einer Außenpolitik geführt hat, der wir folgen sollten - zu kooperieren, wo immer wir können, und nur dann allein zu handeln, wenn wir müssen".

Scheitern bei Ergreifung Bin Ladens

Clinton bedauert, Terroristenführer Osama bin Laden während seiner Amtszeit nicht unschädlich gemacht zu haben. Seine "allergrößte Enttäuschung" sei es gewesen, Bin Laden nicht gefasst zu haben, wie das Nachrichtenamagazin "Newsweek" am Samstag vorab in seiner Online-Ausgabe aus der Autobiographie Clintons berichtete.

Wenige Tage vor seinem Ausscheiden aus dem Amt habe er seinem Nachfolger George W. Bush die nach seiner Einschätzung fünf größten Probleme im Bereich der Sicherheitspolitik mit auf den Weg gegeben. Danach standen Bin Laden und sein El-Kaida-Netzwerk ganz oben und Irak ganz unten auf der Liste.

Clinton äußerte Bush gegenüber laut "Newsweek" seine "allergrößte Enttäuschung" über sein persönliches Scheitern, Bin Laden dingfest zu machen. Bush habe sich die Ratschläge seines Vorgängers angehört und dann rasch das Thema gewechselt, schreibt Clinton in seiner am Dienstag in den USA erscheinenden Autobiographie "Mein Leben". (APA/Reuters)