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Will dem Großen ein Bein stellen: Jakob Kuhn, Teamchef der Schweiz

Foto: Reuters/Lauener
Coimbra - Die Schweiz ortet vor dem Finaltag der Fußball-EM-Vorrunden-Gruppe B am Montag Probleme bei Titelverteidiger Frankreich. Die durchwachsenen Vorstellungen der "Bleus" gegen England (2:1) und Kroatien (2:2) machen den bis dato bei der Endrunde tor- und sieglosen Schweizern Mut. "In der Vergangenheit hat schon oft ein Kleiner einem Großen das Bein gestellt", impft Teamchef Jakob Kuhn seinen Mannen Zuversicht ein. Diese müssten zum Aufstieg den regierenden Europameister besiegen und gleichzeitig darauf hoffen, dass es bei England gegen Kroatien einen Sieger gibt. Bei einem Remis in der Parallel-Partie bräuchte es einen Sieg mit drei Toren Differenz.

Frankreichs Teamchef Jacques Santini räumte unterdessen ein, dass er erstmals seit seinem Amtsantritt im Sommer 2002 über Veränderungen im Team nachdenkt: "Wir haben unsere 100 Prozent noch lange nicht erreicht. Ich würde sagen, dass wir körperlich und mental derzeit bei 80 Prozent stehen."

Bei Frankreich passt's noch nicht

Kernpunkt der Probleme ist vor allem die Defensive, die bis zum England-Match mehr als 1.070 Minuten ohne Gegentreffer geblieben war. "Wir machen zu viele Fehler", weiß Santini, der jedoch keine Panik aufkommen lassen will. Zurecht, denn immerhin hat Frankreich 20 Spiele in Folge nicht verloren. Und nur im Falle einer Niederlage wackelt das Viertelfinal-Ticket.

Auf Grund der Tatsache, dass sich mittlerweile fast alle Gegner nahezu perfekt auf das 4-4-2-System der Franzosen einstellen (Santini: "Sie unterbrechen geschickt unsere Verbindung zwischen Mittelfeld und Sturm"), überlegt Santini sogar einen Systemwechsel. Spielmacher Zidane, bis dato häufig auf der linken Seite zu finden, könnte etwa auf seine Lieblingsposition ins Zentrum rücken und von da aus die Spitzen Trezeguet und Henry mit Pässen füttern. In der Defensive könnte es die gegen Kroatien schwachen Desailly und Dacourt erwischen, dem Duo droht die Ersatzbank.

Henry mit Ladehemmung

Die größten Sorgen bereitet Fußball-Frankreich Stürmerstar Thierry Henry. Für den englischen Meister Arsenal hat der Ausnahmestürmer in dieser Saison 41 Treffer erzielt, im Team hat Henry 2004 noch kein einziges Mal getroffen. Seinen letzten Treffer für Frankreich erzielte er im November 2003, als Deutschland mit 3:0 abgefertigt wurde. Auch Santini macht sich Gedanken: "Wenn man die Tore betrachtet, die Henry für Arsenal geschossen hat, könnte man zum Eindruck kommen, dass er etwas außer Form geraten ist."

Die Schweiz hat zwar drei Punkte weniger als Frankreich auf dem Konto, jedoch anscheinend weniger Probleme. "Wir sind auch vor dem dritten Gruppenspiel noch im Turnier. Das konnte nicht unbedingt erwartet werden", verweist Kuhn nach dem 0:0 gegen Kroatien und dem 0:3 gegen England auf die Ausgangslage. Die Schweiz und Frankreich haben bereits 32 Länderspiele bestritten, am Montag kommt es jedoch zum ersten Pflichtspiel. Die bisherige Bilanz liest sich überraschend ausgeglichen: 14 Frankreich-Siege, sechs Remis und zwölf Schweiz-Erfolge. (APA/Reuters/SIZ)

Mögliche Aufstellungen:<(b>

  • Schweiz - Frankreich (Coimbra, 20:45 Uhr, SR Lubos Michel/Slowakei)

    Schweiz: Stiel - Henchoz, Müller, M. Yakin, Spycher - Wicky, Vogel, Huggel - H. Yakin - Chapuisat/Vonlanthen, Frei

    Frankreich: Barthez - Gallas, Thuram, Silvestre, Lizarazu - Vieira, Makelele, Pires, Zidane - Henry, Trezeguet