Kabul - Nach bewaffneten Auseinandersetzungen in der zentralafghanischen Provinz Ghor und der anschließenden Flucht des dortigen Gouverneurs haben die Vereinten Nationen ihre Mitarbeiter aus der Region abgezogen. Wie UNO-Sprecher Manuel de Almeida e Silva am Sonntag in Kabul bekannt gab, seien Mitarbeiter, die sich zur Vorbereitung der geplanten afghanischen Wahlen in Ghor befanden, nach Kabul sowie in die Provinz Bamijan verlegt worden.

Am vergangenen Donnerstag hatten Milizen die Provinzhauptstadt Chaghcharan eingenommen und den Gouverneur von Ghor zur Flucht gezwungen. Der neue Polizeichef der Stadt, Mohammed Salam, sagte am Sonntag, die Bewohner der Provinz hätten sich gegen den vertriebenen Gouverneur und seinen Polizeichef erhoben. Bei den Kämpfen sollen mindestens zehn Menschen verletzt worden sein.

Kriegsherren regieren weite Teile des Kandes

Das Innenministerium in Kabul sprach dagegen von Auseinandersetzungen zwischen zwei rivalisierenden bewaffneten Gruppen. Die Regierung will nach eigenen Angaben demnächst eine Delegation nach Ghor entsenden, um an Ort und Stelle die Lage zu sondieren. Der größte Teil des Landes wird noch immer von verschiedenen Kriegsherren kontrolliert.

Der Konflikte in Ghor, das bis dato als eine der sichersten Provinzen in Afghanistan galt, macht die zunehmend prekäre Sicherheitslage vor den für Herbst geplanten Wahlen deutlich. Vor knapp zwei Wochen waren bei einem Terroranschlag im Nordosten Afghanistans elf chinesische Straßenbauarbeiter ums Leben gekommen. Am 2. Juni töteten Taliban-Kämpfer fünf Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" im Nordwesten des Landes. (APA/dpa)