Seoul - Pakistanische Atomwissenschaftler halten sich nach Angaben aus Südkorea möglicherweise in Nordkorea auf und helfen dort beim Aufbau eines Atomwaffenprogramms. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap zitierte am Sonntag einen Bericht des staatlichen Koreanischen Instituts für Nationale Vereinigung (KINU) in Seoul, wonach Nordkorea möglicherweise mit Hilfe ausländischer Nuklearforscher seine Technik zur Urananreicherung verbessern könnte. "Neun pakistanische Nuklearwissenschaftler werden vermisst, seit sie vor sechs Jahren ihr Land verlassen haben, und wir können nicht ausschließen, dass einige von ihnen in Nordkorea sind", sagte der KINU-Mitarbeiter Jeon Sung Hun gegenüber der Agentur.

Das nordkoreanische Programm zur Urananreicherung befinde sich in einem frühen Stadium, sagte Jeon weiter. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass Nordkorea von mehreren Staaten "ein Maß an Technologie und Zusammenarbeit" erhalten habe, das "die gängigen Erwartungen übertrifft". Als Staaten, die Pjöngjang atomares Know-how geliefert haben könnten, nannte Jeon neben Pakistan auch Russland, Kasachstan, die Ukraine und Weißrussland. Nordkorea hat eingeräumt, ein Plutoniumprogramm zu haben, bestreitet aber den Besitz eines Programms zur Urananreicherung.

Der pakistanische Atomforscher Abdul Qadeer Khan hatte im April gesagt, er habe 1999 Nordkorea besucht und dort in einer geheimen unterirdischen Nuklearanlage "drei atomare Geräte" gesehen. Der "Vater der pakistanischen Atombombe" berichtete laut "New York Times", dass er in den späten 80er Jahren mit Nordkorea Gespräche über die Lieferung von Material zur Produktion von Atomwaffen mittels Urananreicherung aufgenommen und seit den späten 90er Jahren größere Lieferungen an das stalinistisch regierte Land begonnen habe.

Khan hatte Anfang Februar erstmals öffentlich eingestanden, geheimes Nuklearwissen an andere Länder weitergegeben zu haben. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf begnadigte den Forscher auf Grund dieses Geständnisses. (APA/AFP)