Frankfurt/Rom - Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet nach den Worten ihres Präsidenten Jean-Claude Trichet einen Rückgang der durchschnittlichen Inflationsrate in den Euro-Ländern auf unter zwei Prozent. "Schaut man über den kurzfristigen Preisanstieg hinaus, wird sich die Inflationsrate an unserer Definition der Preisstabilität von unter zwei Prozent und nahe bei zwei Prozent ausrichten", sagte Trichet in einem Interview der italienischen Zeitung "La Repubblica" (Samstagausgabe).

"Das setzt aber voraus, dass keine Zweitrundeneffekte auftreten, und deshalb haben wir an die Tarifpartner appelliert, jede Preisspirale zu vermeiden", fügte Trichet hinzu. Unter Zweitrundeneffekten verstehen Ökonomen, dass steigende Verbraucherpreise in Lohn- und Gehaltserhöhungen münden und somit die Teuerung zusätzlich anheizen.

Einige Ökonomen für Zinsanhebung

Trichet bekräftigte in dem Interview, dass sich die EZB alle geldpolitischen Optionen offen halte. Eine festgelegte Präferenz (Bias) für einen Zinsschritt habe die EZB nicht. Der Leitzins der EZB liegt seit rund einem Jahr bei zwei Prozent. Zuletzt hatte sich die EZB jedoch besorgt über den starken Anstieg des Ölpreises in den vergangenen Monaten geäußert. Dies könnte auf eine mögliche Zinsanhebung hindeuten, um den allgemeinen Preisauftrieb zu einzudämmen. Volkswirte und Politiker zeigten sich zuletzt allerdings auch zunehmend skeptisch, ob der noch leichte Aufschwung zu mehr Wachstum und Beschäftigung führen wird. Einige Ökonomen forderten daher bereits, dass die EZB durchaus die Leitzinsen senken sollte, falls die Teuerungsrate stabil bleibt.

Der Rat der EZB kommt das nächste Mal am 1. Juli zusammen, um über die Leitzinsen zu entscheiden. Experten rechnen damit, dass die EZB die Zinsen in diesem Jahr überwiegend konstant hält. (APA/Reuters)