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Shimon Peres, Oppositionschef

Foto: APA/EPA/Coffrini
Jerusalem - Der israelische Oppositionsführer Shimon Peres hat eine Regierungsbeteiligung seiner Arbeitspartei an einen Rückzug aus dem Westjordanland und direkte Verhandlungen mit den Palästinensern geknüpft. Die Bedingungen, die Ministerpräsident Ariel Sharon bisher strikt ablehnte, nannte Peres am Sonntag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Die Koalition Sharons büßte durch den Rückzug zweier rechter Minister vor zwei Wochen ihre Parlamentsmehrheit ein und hofft auf eine Beilegung der Regierungskrise mit Hilfe der Arbeitspartei.

"Meine Vision ist ein Rückzug zu den Grenzen von 1967 - bis auf geringe Anpassungen für die Sicherheit und jüdische Siedlungen", sagte Peres. Israel hat das Westjordanland und den Gazastreifen 1967 besetzt. Sharon plant dagegen einen Rückzug aus dem Gazastreifen und will nur einige isolierte Siedlungen im Westjordanland aufgeben. Peres erklärte dazu, Sharon müsse den Charakter seines einseitigen Rückzugsplanes durch direkte Verhandlungen mit den Palästinensern ändern: "Wir können und sollten mit Abu Ala (Ministerpräsident Ahmed Korei) sprechen."

Noch zu früh

Aus Regierungskreisen verlautete, es sei noch zu früh, um auf Peres' Forderungen einzugehen. Es habe noch kein offizielles Koalitionsangebot an die Arbeitspartei gegeben. Erst nach einer entsprechenden Einladung zu einer Koalition der nationalen Einheit werde über Bedingungen verhandelt.

Mit einer diplomatischen Offensive will die israelische Regierung unterdessen in mehreren arabischen Ländern um Rückendeckung für den Rückzugsplan aus dem Gazastreifen werben. Sondergesandte des Außenministeriums sollen in den kommenden Wochen in Katar, Marokko, Tunesien, Bahrain und Oman Einzelheiten der geplanten Räumung von Siedlungen vermitteln, hieß es in Jerusalem.

Erstmals seit dem tödlichen israelischen Angriff auf Hamas-Gründer Scheich Ahmed Yassin vor drei Monaten überquerten am Sonntag wieder hunderte Palästinenser aus dem Gazastreifen die Grenzanlagen, um zur Arbeit nach Israel zu gelangen. Wegen befürchteter Racheakte hatte Israel die Grenze nach dem gezielten Angriff auf Yassin abgeriegelt und erst jetzt den Grenzübergang Erez nach Militärangaben wieder für 500 Arbeitnehmer geöffnet. Vor der Tötung Yassins passierten täglich bis zu 15.000 Palästinenser die Grenze. (APA/AP)