Die Daten der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft bestätigen, was die Japanfondsmanager seit Jahresbeginn in ihre Werbebotschaften verpacken: Die Konjunktur erholt sich nach zwölfjährigem Jammertal auf breiter Front.

Die Wirtschaft Japans dürfte heuer um rund vier Prozent wachsen, die Pleiten ebben seit Monaten ab, die Arbeitslosigkeit sinkt, weil die Firmen (abgesehen von der Bankenbranche) wieder in einen Gewinntrend eingeschwenkt sind. Dazu zieht die Inlandsnachfrage an, und die japanische Notenbank hat erst in der Vorwoche wieder bekräftigt, sie werde das Nullzinsniveau heuer beibehalten, um den Aufschwung nicht zu gefährden.

Zuversicht

Das gibt der Fondsindustrie für ihre Japanfonds erneut gute Argumente in die Hand. Zwar hat sich in den vergangenen Monaten auch gezeigt, dass die japanischen Börsen empfindlich reagieren, wenn US-Hedgefonds ihr Geld abziehen, die Fondsmanager bauen ihre mittelfristige Zuversicht aber auf die fundamentalen Voraussetzungen. Für Hisae Toews, Japan-Analystin bei Fidelity, sind es vor allem Inlandskonsum, Gewinndynamik und ausgeputzte Bilanzen. Im marktbreiten Topix-Index sieht sie heuer rund 13 Prozent Gewinn. Nach neun Jahren Brachland, sagt Toews, würden die Unternehmen jetzt auch wieder investieren, sie starten Aktienrückkaufprogramme, kaufen eigene Aktien zurück und erhöhen ihre Ausschüttungsquoten, weil sie mit dem Schuldenabbau so gut vorangekommen seien.

"Deflation gestoppt"

Das Angstthema Deflation sieht sie vom Tisch: "Die Deflation ist gestoppt, wir sehen das sowohl an steigenden Immobilienpreisen als auch bei den Konsumgütern." Bei Bankaktien ist sie zwar vorsichtig, weil die Performance der vergangenen Monate so gut war, da die operativen Gewinne der Institute die faulen Kredite aber erstmals deutlich übersteigen, sieht sie auch dort gute Chancen für die Titelauswahl.

Dazu lobt sie die fortschreitende Auflösung der Aktienverschränkungen der Banken (Crossholdings). Insgesamt sei mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis im Topix von 18 der Markt "auch nicht teuer". Die möglichen Bedrohungen für Japan gelten eigentlich auch global: eine starke Abkühlung in China und den USA und geopolitische Risiken.

Fazit: Fidelity empfiehlt derzeit wieder verstärkt Japanfonds als Beimischung und ist derzeit mit drei Japanfonds in Österreich vertreten.

Weitere Asien-Produkte geplant

Obwohl das leidige Thema der 1,5-prozentigen Sicherungssteuer noch immer ein großer Klumpen am Bein ausländischer Fondsanbieter in Österreich ist, zieht Fidelity positive Bilanz.

Zum Halbjahr 2004 verwaltet das weltgrößte Fondsmanagementunternehmen in Österreich 1,35 Mrd. Euro und plant zu den bis jetzt insgesamt 71 zugelassenen Fonds weitere Asienprodukte im zweiten Halbjahr für den heimischen Markt. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.06.2004)