Wirtschaftsinteressierten war Margarethe Ottillinger, von 1958-1982 Vorstandsdirektorin der Österreichischen Mineralölverwaltung, als eine der ersten "Powerfrauen" bekannt. Das Bonmot "In der ÖMV ist der einzige Mann eine Frau" geht auf ihre Zeit dort zurück. Als hohe Beamtin im damaligen Ministerium für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung wurde sie 1948, mit erst 29 Jahren, beim Übertritt vom amerikanischen in den russischen Sektor unter dem Vorwand der Spionage verhaftet, in die Sowjetunion deportiert und dort trotz fehlender Beweise zu 25 Jahren Strafarbeitslager verurteilt. Nach sieben Jahren Gulag wurde sie anlässlich der Unterzeichnung des Staatsvertrages, schwer krank, begnadigt. Später wurde sie von den Vorwürfen von der Sowjetunion rehabilitiert und machte in der ÖMV als Personalvorstand bemerkenswerte Karriere. 1992 starb sie.

Die Autorin geht den Quellen zum "Fall Ottillinger" genau nach. Es scheint, dass die tüchtige, wenig diplomatische Sektionsleiterin sich Feinde in Österreich gemacht hatte, die auch vor Denunziantentum nicht zurück schreckten.

Die undurchsichtige Rolle ihres Chefs, Minister Peter Krauland - er war bei der Verhaftung Ottillingers dabei, griff jedoch nicht ein - kann auch Schödl nicht gänzlich aufhellen. (ruz)