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Renato Soru

Foto: APA/ANSA/Rosas
"Wer mich mag, hat mir davon abgeraten", versichert Renato Soru und beobachtet durchs Fenster seines Büros eine Gruppe Flamingos, die ihre Hälse ins Uferwasser tauchen. Seinen neuen Firmensitz in Sa Illetta bei Cagliari wird Sardiniens größter Arbeitgeber in den nächsten Jahren wohl selten betreten. Vom Architekturstudio Aldo Rossi wie ein Campus konzipiert, verkörpert das Hauptquartier des Internetproviders Tiscali die Wertvorstellungen seines Begründers: Zweckmäßigkeit, Nüchternheit und Moderne mit Blick auf die Tradition.

Wie viele Sarden hat ihn die Insel, auf der er vor 47 Jahren geboren wurde, nie losgelassen. Jetzt wird er deren Präsident. Soru stammt aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater war Schuldiener seines Heimatortes San Luri, seine Mutter führte dort eine kleine Gemischtwarenhandlung. Nach seinem Informatikstudium an der Mailänder Bocconi-Universität kehrte Soru immer wieder nach Sardinien zurück, wo er zunächst mehrere Supermärkte eröffnete. 1995 übersiedelte er nach Prag und gründete den Internetprovider Czech online.

Heute besitzt Sorus Unternehmen Tiscali 25 Internetfirmen in zahlreichen Ländern, auch in Österreich. Cristiana Mura, Marketingleite- rin des Konzerns, war 1997 seine erste Angestellte: "Wir arbeiteten damals in einer kleinen Wohnung, die Aufbruchstimmung war enorm." Jetzt verbreitet Soru in Sardinien wieder Aufbruchstimmung. Den unangefochtenen Sieg bei den Landtagswahlen deuten seine Anhänger als Wendepunkt für die strukturschwache Insel.

Mit seinem Wahlkampf setzte der schweigsame Unternehmer Zeichen. Unnützer Aufwand ist ihm ein Dorn im Auge. Häufig war er allein mit seinem wasserstoffbetriebenen Auto unterwegs, um sich "mit Wählern zu unterhalten". Statt Broschüren verteilte er T-Shirts mit dem Aufdruck: "Besser mit Soru als in schlechter Gesellschaft." Dazu gehören für Soru der Playboy Flavio Briatore, der an der Costa Smeralda den VIP-Nachtklub "Billionaire" betreibt, oder diverse Immobilienspekulanten.

Sorus "Projekt für Sardinien" will "der Entwicklung der Insel in Richtung Ibiza einen Riegel vorschieben." Nicht zuletzt deshalb stieß der Einstieg des nüchternen Unternehmers in die Politik auch im linken Lager auf Skepsis. Sein Einstieg in die Politik erinnert stark an den des Triester Kaffeekönigs Riccardo Illy, der zum Präsidenten der Region Friaul-Julisch Venetien gewählt wurde.

Angst, die Erwartungen seiner Wähler zu enttäuschen, hat Soru nicht: "Die Sarden müssen lernen, umzudenken", meint er trocken. Als Vater von vier Kindern hat Soru darin Erfahrung. Seine älteste Tochter hat gerade promoviert. Nicht in Informatik, sondern in Altphilologie. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2004)