Warschau - Der polnische Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz hat am Montag im polnischen Rundfunk den Brüsseler EU-Verfassungskompromiss gegen die Kritik vor allem der konservativen Opposition verteidigt. Das Verfassungsprojekt hätte eine schwere Niederlage erlitten, wäre auch ein zweiter Gipfel zu seiner Verabschiedung gescheitert, sagte der Minister. Polen habe bis zuletzt für seine Positionen gekämpft und viel erreicht, betonte Cimoszewicz angesichts der zum Teil scharfen Ablehnung des Kompromisses in Polen.

Drei von sechs Forderungen erfüllt

Drei der sechs polnischen Forderungen seien "zu 100 Prozent" erfüllt worden, zwei hätten mit einem zufrieden stellenden Kompromiss gelöst werden können, meinte Cimoszewicz. Lediglich die polnische Forderung nach einem Gottesbezug in der Präambel habe nicht durchgesetzt werden können.

Im Brüsseler Verhandlungssaal hätten "arktische Temperaturen" geherrscht, als Ministerpräsident Marek Belka in der allgemeinen Jubelstimmung über den erreichten Kompromiss zu bedenken gab, dass es dazu in Polen noch keine Zustimmung gebe, sagte Cimoszewicz. Der Minister plädierte dafür, die Volksabstimmung über die Verfassung in Polen gemeinsam mit der Präsidentenwahl im kommenden Jahr abzuhalten.

Die Abgeordneten des polnischen Parlaments, in dem Belkas Regierung keine Mehrheit hat, hatten den Bericht der Regierung zu den Vorbereitungen auf den Verfassungsgipfel zurückgewiesen. Am Wochenende hatten vor allem die rechtskonservativen und nationalistischen Parteien den Kompromiss als "Schande" und "Verrat" zurückgewiesen. (APA/dpa)