Wien - Zur Eröffnung des Metaller-Gewerkschaftstages hat die ÖGB-Spitze klargestellt, dass für sie eine Verlängerung der Arbeitszeit nicht in Frage kommt. Entsprechende Forderungen des neuen IV-Präsidenten Veit Sorger wurden von Metaller-Chef Rudolf Nürnberger klar abgelehnt: "Sie werden keine Person in der Gewerkschaft finden, die für diese Gespräche zur Verfügung steht." ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch sprach ein "klares Nein" zu einem "Lohndumping unter neuem Titel".

Polit-Prominenz

Zum Metallergewerkschaftstag hatten sich Montagvormittag viele Prominente aus Politik und ÖGB im Wiener Austria Center eingefunden. An der Spitze der Gäste fand sich der künftige Bundespräsident Heinz Fischer. Auch die Chefs der Oppositionsparteien Alfred Gusenbauer (S) und Alexander Van der Bellen (G) waren der Einladung Nürnbergers gefolgt. Von der Regierung war nur Sozialminister Herbert Haupt (F) erschienen. Die Arbeitgeberseite war durch den Hauptverhandler bei den Kollektivvertragsverhandlungen im Metallbereich, Hermann Haslauer vertreten.

In seiner Eröffnungsrede wandte sich Metaller-Chef Nürnberger vehement gegen die Arbeit der schwarz-blauen Koalition während der letzten vier Jahre. "Drüberfahren" sei zum bestimmenden Stil in der Politik gemacht worden. Indirekt warf er der Koalition vor, Gewerkschaften und Arbeiterkammern am liebsten in der Luft auflösen zu wollen. Abgelehnt wurden von Nürnberger ferner Arbeitgeberwünsche, die Arbeitszeit zu verlängern, ohne einen entsprechenden Lohnausgleich zu bekommen.

"Bereit für Gespräche"

Gleichzeitig hielt der Metaller-Chef aber fest, dass die Gewerkschaften immer bereit seien, sozialpartnerschaftliche Gespräche zu führen. Man habe in den vergangenen Jahren gestreikt und demonstriert aber gleichzeitig auch immer Alternativen gezeigt. Als Projekt für die im Herbst anstehenden KV-Verhandlungen in der Metallbranche betonte Nürnberger, gemeinsam mit der Privatangestellten-Gewerkschaft (GPA) ein einheitliches Entgeltsystem ausverhandeln zu wollen. Mit der Lohnpolitik der letzten Jahre zeigte sich Nürnberger zufrieden. Während der vergangenen Funktionsperiode habe man Lohnzuwächse von 11,1 Prozent erreicht.

Verzetnitsch, der erstmals seit seinem Sturz beim Rollerbladen wieder in der Öffentlichkeit auftrat, stellte die Pensionsharmonisierung in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Er warf der Regierung vor, im Gegensatz zum ÖGB bis jetzt kein Konzept vorgelegt zu haben. Gleichzeitig stellte der Gewerkschaftschef klar, dass es eine Harmonisierung nur unter gewissen Bedingungen geben könne. Ohne eine Zurücknahme der "Pensionsverunsicherungsreform des Jahres 2003" werde es mit der Gewerkschaft keine Einigung geben und - wie er höre - sei ja mittlerweile auch die FPÖ dieser Meinung, so Verzetnitsch in Richtung des im Publikum lächelnden Sozialministers Haupt.

Kein Thema bei der Eröffnung waren die Schwierigkeiten bei der geplanten Gewerkschaftsfusion mit Metallern, GPA, Druckern und der Gewerkschaft Agrar-Nahrung-Genuss. Nürnberger ging in seiner Rede mit keinem Wort auf die geplante Zusammenlegung ein. Sein Widerpart GPA-Chef Hans Sallmutter wollte sich am Rande des Gewerkschaftstages auch nicht zu der Fusion äußern. Beschlüsse zu diesem Thema waren bei der dreitägigen Veranstaltung im Austria Center ohnehin nicht vorgesehen. Höhepunkt ist die Wiederwahl Nürnbergers am Mittwoch. (APA)