Klagenfurt - Serbiens Wirtschaft strebt eine engere Zusammenarbeit mit Österreich an. Diesen Eindruck hat eine Delegation der Kärntner Wirtschaftskammer gewonnen, welche am Wochenende in Belgrad weilte.

"Wir sollten die traditionell freundschaftlichen Beziehungen nützen, um Serbien in den Bemühungen um einen EU-Beitritt zu unterstützen", sagte Kammerpräsident Franz Pacher. Die starke Entwicklung der serbischen Wirtschaft sei auch positiv für Kärntner Firmen.

Strategischer Partner

"Österreich ist ein strategischer Partner in der wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes", betonte der stellvertretende Außenhandelsminister Vlatko Sekulovic. Als zusätzlichen Anreiz für österreichische Firmen in Serbien bezeichnete er die Nähe zu Zagreb (Agram) und Sofia sowie die günstigen Exporte von Serbien aus nach Russland. Sekulovic strich auch die Bedeutung der österreichischen Banken in Serbien heraus, welche "zu den besten im Lande gehören".

Der ehemalige Außenhandelsminister und nunmehrige Wirtschaftsforscher Goran Pitic bezeichnete Serbien als "gefragten Markt". Mehr als 1.000 Unternehmen seien privatisiert worden.

Problematisches Exportdefizit

"Das große Problem ist jedoch das Exportdefizit, denn die Importe machen das Zweieinhalbfache der Ausfuhren aus", strich Pitic heraus. Die Exporte machten im vergangenen Jahr 3,0 Mrd. Euro aus, die Importe jedoch 8,0 Mrd. Euro.

Der Präsident der Wirtschaftskammer Serbien, Radoslav Veselinovic, hofft auf eine Erweiterung der Wirtschaftsbeziehungen zu den EU-Ländern. "Dabei wird Österreich eine entscheidende Rolle spielen", sagte er.

"Wir streben eine Kooperation auch der Wirtschaftskammer der beiden Länder an." So werde das Wifi eine Managerschulung übernehmen. Weiters seien Joint Ventures und Investitionen, die Beschickung von Messen und spezifische Firmentreffen geplant.

Geringe Firmen-Präsenz

Der österreichische Handelsdelegierte für Serbien und Montenegro, Herbert Preclik, strich die guten Kontakte heraus, bedauerte aber gleichzeitig, dass "zu wenig österreichische Firmen präsent sind". Dabei zähle Österreich mit Deutschland und Italien zu den drei größten Investoren.

Der österreichische Generalkonsul in Montenegro, Milan Mrvaljevic, berichtete über die Bemühungen im Tourismus. "1990 hatten wir 95 Mio. Dollar aus dem Fremdenverkehr", sagte er, "jetzt sind es nur noch 10 Millionen (8,30 Mio. Euro). Aber heuer haben wir gegenüber dem vergangenen Jahren bereits einen Zuwachs von 30 Prozent." Auch er sprach die Einladung an österreichische Firmen aus, in Montenegro zu investieren.

Raiffeisenbank als Vorzeigebetrieb

Ein österreichischer "Vorzeigebetrieb" in Serbien ist die Raiffeisenbank. Mit einer Bilanzsumme von rund 556 Mio. Euro ist sie bereits die viertgrößte Bank des Landes und die mit Abstand größte ausländische Bank in Serbien. Bei den Einlagen ist Raiffeisen Nummer zwei, bei den Krediten Nummer drei.

"Mehr als 20 Prozent aller Serben haben ein Sparkonto bei uns", sagte Roland Wass, Mitglied der Geschäftsführung. Raiffeisen hat in Serbien 19 Filialen, noch heuer kommen sechs weitere dazu und bis Ende 2006 werden es 35 sein. Derzeit werden 630 Mitarbeiter beschäftigt.

Große Anstrengungen unternimmt aber auch die Hypo Alpe-Adria-Bank, welche mit einer Bilanzsumme von 130 Mio. Euro ebenfalls unter den zehn größten Geldinstituten des Landes liegt und bei den Ausleihungen an siebenter Stelle aufscheint. Erst kürzlich wurde ein Kreditvertrag über 50 Mio. Euro für die Modernisierung von Erdölraffinerien und die Errichtung von zehn Tankstellen abgeschlossen. (APA)