Dem portugiesischen Fußballnationaltrainer sitzt die Angst im Nacken: er will sich nach der Europameisterschaft nicht so fühlen wie nach dem Koitus mit seiner alten "hässlichen" Freundin.
apa_stinellis
Bis vor kurzem hatte ich gedacht, eigentlich müsste ich mich wegen fehlender Solidarität und Rücksichtnahme schlecht fühlen. Hatte ich doch glatt - wahrscheinlich aufgrund eines 90-minütigen Schocks ob des Fehlens des elegantesten Tormannes der vergangenen EM, Vitor Baia - vergessen, während des Eröffnungsspiels der Fußball-Europameisterschaft mein Portugal-Trikot zu tragen. Nur noch Nuno Gomes konnte uns trösten. Und dennoch - die Niederlage war unaufhaltbar.

Die Taktik, tagtäglich vor dem Fernseher auszuharren und zu hoffen, dass alles wieder gut werde, hat sich zumindest in Einzelergebnissen bewährt. Die deutsche Mannschaft spielte unentschieden, die Italiener konnten trotz ihrer "Da hinten stellen wir einfach mal alles zu"-Taktik nur im Zielspucken überzeugen und die Portugiesen spielten einen lauwarmen Sieg nach dem anderen nach Hause.

Und dann wachst du auf ...

Als auch noch die Fastfood-Multis Burschen und Mädels zur Begleitung der Spieler auf den Rasen, der die Welt bedeutet, schickten, schien im Fußballhimmel wieder alles so ziemlich zu passen. Und dann das: Luiz Felipe "Big Phil" Scolari, dem Trainer der portugiesischen Mannschaft, fuhr die Midlifepanikattacke in den Nacken. Verglich er doch in einem - wohl gemerkt unautorisierten - Interview mit einem spanischen Radiosender seine nicht ganz so überzeugende Mannschaft mit einer "alten Freundin".

Man müsse sich die letzten 20 Tage mit seiner Mannschaft so vorstellen, wie wenn man seit mehreren Jahren mit seiner Freundin zusammen wäre, diese dann heirate, mit ihr schlafe und dann am nächsten Morgen feststellen würde, wie hässlich diese nicht sei. Aja.

Abwertungen am weiblichen Körper

Ja, Niederlagen im Fußball schmerzen. Aber das hier geht zu weit. Klar, es werden Autos mit Frauenkörper verkauft, Radiogeräte und Mineralwasser. Anscheinend glaubt die WerberInnenbranche, Männer nur mit der Stimulierung ihres Rückenmarks zu Assoziationen verleiten zu können. Ist das doch schon nervig genug.

Aber warum muss jemand wie Scolari im Fußball auf solche Vergleiche zurückgreifen? Mann ist, was er "konsumiert"? Sitzt ihm die Angst im Nacken, seine Frau könnte doch einmal in der Früh aufwachen und merken, dass er übergewichtig und Schnauzbartträger ist? Und wenn ja, "so what"? Enttäuschend, Frustrationen in der Abwertung von Frauen ausleben zu müssen. Und kommt mir nicht mit: "Das hat er gar nicht so gemeint". Na ja, zumindest mein schlechtes Gewissen ist vorüber. Jetzt, nach vier Jahren Faninnenschaft bin ich wahrscheinlich eh schon viel zu alt, um wirklich was zu taugen ...

(e_mu)