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Ein britisches Patrouillenboot im Shatt al-Arab auf einem Archivbild

Foto: Reuters
Teheran/London - Der Iran hat nach eigenen Angaben am Montag drei britische Marineboote unter seine Kontrolle gebracht und acht Besatzungsmitglieder festgenommen.

"Wir haben heute morgen die Nachricht erhalten, dass einige ausländische Boote ohne Erlaubnis in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen sind", sagte ein Sprecher der iranischen Revolutionären Garden. "Drei Boote wurden zur iranischen Küste geleitet." Ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums sagte, die Marine habe den Kontakt zu drei Booten mit acht Mann Besatzung in den Gewässern zwischen Iran und Irak verloren.

Briten bitten Irak um Vermittlung

Nach der Beschlagnahmung von drei britischen Patrouillenbooten und der Festnahme von acht Besatzungsmitgliedern durch den Iran hat Großbritannien den Irak um Vermittlung gebeten. Die irakischen Behörden sollten nach dem Willen der britischen Marine eingreifen, verlautete aus dem Büro des Chefs der irakischen Küstenwache, General Ali Hammadi, am Montag. Mit den Iranern sei bereits Kontakt aufgenommen worden, um eine möglichst schnelle Freilassung der britischen Soldaten zu erreichen.

Gold und Dax reagieren

Der Preis für das als sichere Anlage in Krisenzeiten geltende Gold stieg kurzfristig nach Bekanntwerden des Vorfalls etwas an. Auch der Deutsche Aktienindex (Dax) reagierte nach Einschätzung einiger Frankfurter Aktienhändler mit leichten Abschlägen. Vor allem die Furcht vor einer Ausweitung der Krise im Nahen Osten auf den erdölreichen Iran trübte Börsianern zufolge im Nachmittagshandel die Stimmung der Anleger ein.

Der Sprecher der Revolutionären Garden erklärte, so weit ihm bekannt sei, handele es sich bei den Besatzungsmitgliedern um Briten. "Wir verhandeln nun, um herauszufinden, warum sie in die Gewässer eingedrungen sind." Ob und wenn ja wann die Briten frei gelassen werden sollte, wurde nicht mitgeteilt. In den amtlichen iranischen Medien hieß es, die britischen Seekarten und Waffen seien beschlagnahmt worden. Zu dem Vorfall sei es im Shatt al-Arab gekommen, der rund 200 Kilometer lange Zusammenfluss von Euphrat und Tigris, der die Grenze zwischen dem Iran und dem Irak bildet. Die Wasserstraße mündet hinter Basra in den Persischen Golf.

Großbritannien bestätigt Festnahme

Großbritannien hat am Montag die Festnahme von acht seiner Soldaten durch den Iran bestätigt.

"Wir bestätigen, dass acht Soldaten der Königlichen Marine aus dem Einsatzteam, das im südlichen Irak stationiert ist, von iranischen Behörden festgenommen wurden, als sie ein Boot von Umm Kasr nach Basra überführten", hieß es am Abend in einer Erklärung des britischen Verteidigungsministeriums. An Waffen seien nur die persönlichen Schusswaffen der Soldaten an Bord gewesen.

Berichte, es habe sich um Kriegsschiffe gehandelt, bezeichnete der Sprecher als Quatsch. "Wir haben keine großen Schiffe in der Region." Basra ist der wichtigste Ölhafen des Irak. Die Region um Basra kontrolliert die britische Armee.

Die Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Iran waren in den vergangenen Wochen zunehmend angespannt. Gemeinsam mit anderen Ländern hat Großbritannien der Regierung in Teheran vorgeworfen, sie sei bei der Kontrolle ihres Atomprogrammes durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO), einer UNO-Organisation, nicht ausreichend kooperativ gewesen. Großbritannien ist zudem der engste Verbündete der USA im Irak-Krieg, den der Iran scharf kritisiert hatte. (APA/Reuters)