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Mehr Menschen als jemals zuvor in dieser Republik suchen vergeblich nach Arbeit. Die UnternehmerInnen weisen den Weg aus der Krise: Wer Arbeit hat, soll länger arbeiten, ohne Lohnausgleich.

Nur so könne mit den sehr niedrigen Löhnen der neuen EU Mitglieder mitgehalten werden. Sonst drohen weitere Abwanderung von Unternehmen, der Verlust von Arbeitsplätzen, noch mehr Arbeitslosigkeit. Nicht ganz uneigennützig, verhilft es doch zu steigenden Profiten, aber wir haben gelernt: Geht es den Unternehmern gut, geht es uns allen gut.

1. Die Außenhandelsbilanz

Wer dem nicht traut, sollte einen Blick auf die Außenhandelsdaten werfen. Tatsächlich erwirtschaften wir sehr hohe Außenhandelsüberschüsse mit den neuen Mitgliedsländern. Zehntausende Arbeitsplätze wurden und werden dadurch geschaffen und erhalten.

Das mit Abstand größte Außenhandelsdefizit wird hingegen mit Deutschland erwirtschaftet. Deutschland ist kein Billiglohnland, die Industrie bezahlt um mehr als 20 Prozent höhere Stundenlöhne als unsere, Lohnnebenkosten inkludiert. Trotzdem gilt Deutschland als "Exportweltmeister".

Da entsteht der Verdacht, dass die "billigen" KollegInnen in den neuen EU Ländern zu Sündenböcken für steigende Arbeitslosigkeit bei uns gemacht werden und Schuld sein sollen an drohenden längeren Arbeitszeiten. Basteln am schönen neuen Europa der Vorurteile?

2. Unfaire Verteilung

Qualität und Produktivität der Arbeit sind entscheidende Faktoren für Konkurrenzfähigkeit, nicht nur die Lohnhöhe. Überdurchschnittlich hohe Produktivitätsgewinne und eine zurückhaltende Lohnpolitik der Gewerkschaften führen seit Jahren zu stark sinkenden Lohnstückkosten (Arbeitskosten pro gefertigter Ware) in Österreich.

Die internationale Konkurrenzfähigkeit der österreichischen Industrie steigt. Die Produktivitätsgewinne kommen vor allem den UnternehmerInnen zugute, den ArbeitnehmerInnen bleibt wenig mehr als ein Inflationsausgleich.

Die letzten Jahre, sogar Jahrzehnte waren davon geprägt, dass der Anteil der Löhne am Volkseinkommen gesunken und jener der Gewinne gestiegen ist. Eine Verlängerung der Arbeitszeiten würde den Trend noch verstärken.

3. Steigende Arbeitslosigkeit

Trotz hoher internationaler Konkurrenzfähigkeit steigt die Arbeitslosigkeit. Jedoch steigt sie vor allem in Branchen, die kaum von der Konkurrenz "im Osten" betroffen sind, sondern von der heimischen Kaufkraft leben. Die Arbeitslosigkeit steigt im Handel, im Reinigungsbereich und bei LehrerInnen - in Industrie und Gewerbe sinkt sie.

ÖkonomInnen weisen oft darauf hin, dass die Konjunktur erst dann wieder läuft, wenn die inländische Nachfrage, vor allem die Kaufkraft der ArbeitnehmerInnen steigt. Wenn ArbeitnehmerInnen bei gleichem Lohn länger arbeiten, werden weniger Arbeitskräfte gebraucht, die Arbeitslosigkeit steigt weiter, die Kaufkraft sinkt. Wollen die UnternehmerInnen tatsächlich weniger Arbeitslosigkeit, sollten sie die Arbeitszeit verkürzen.

4. Strukturwandel

Durch die Globalisierung und den dadurch verstärkten Strukturwandel gehen Arbeitsplätze in Niedriglohnbranchen verloren, die geringe Qualifikation erfordern. Dieser Prozess kann durch längere Arbeitszeiten nicht aufgehalten werden.

Strukturwandel bedeutet jedoch auch, dass andere Branchen wachsen: Dienstleistungen und Branchen mit höheren Qualifikationserfordernissen können die Beschäftigung erhöhen.

Wesentliche Aufgabe moderner Arbeitsmarktpolitik ist es, ArbeitnehmerInnen im Strukturwandel zu unterstützen. Es geht darum, Beschäftigte möglichst reibungslos von schrumpfenden in wachsende Branchen zu bringen.

Das verlangt nach erheblich verstärkter aktiver Arbeitsmarktpolitik, vor allem Investitionen in Weiterbildung und Qualifizierung. Darin liegt die Herausforderung der Zukunft und Österreich im internationalen Vergleich weit zurück.

5. Gesundheit

Längere Arbeitszeiten bedeuten ein erhebliches gesundheitliches Risiko für ArbeitnehmerInnen. Eine neue Studie der OECD weist wenig überraschend nach, dass mit höherer Wochenarbeitszeit gesundheitliche Beschwerden stark ansteigen sowie familiäre Beziehungen und Freundschaften leiden.

Und man darf auch mal fragen: leben wir denn um zu arbeiten, oder arbeiten wir um ein Leben nach unseren Wünschen zu führen?

Nachlese

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