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Kreneks Figuren: Bo Skovhus (Jonny) und Nancy Gustafson (Anita)

Foto: REUTERS/Leonhard Foeger
Leise rieselt der Schnee im Sonnemonat Juni an der Staatsoper, denn Jonny spielt auf , wieder einmal, klaut eine Geige, flirtet und vögelt herum, im Glitzerfrack. Die Showgirls heben ihre Beinchen zwischen den Parterrereihen, die Polizisten leuchten mit Taschenlampen in die eben noch verzückten, jetzt verschreckten Mienen der Publikumsbelegschaft, und der Gletscher singt sein Liedlein leise mit dazu.

Ja: Ein Rummelplatz der Stile und Genres, Welten und Zeiten ist Ernst Kreneks Erfolgsoper aus den 20ern, und Günter Krämer hat dem vielen Gerummel und Gefummel ein klares und auch poetisches szenisches Gesicht gegeben. Nancy Gustafson wiederum ist so nett, die aktuelle Aufführungsserie (als Anita) mit ihrem wunderschönen Rücken sowie mit einer champagnerig leichten, lustvollen, Goldie-Hawn-igen Spielfreude zu beschenken; Thorsten Kerl leiht dem Komponisten Max seine etwas eicherne Schmachtkerligkeit und gibt ihn also durchaus stimmig - als kurioses Relikt einer vergangenen Zeit, das in der neuen leicht deplatziert wirkt.

Bo Skovhus (Jonny), Peter Weber (Daniello) und Ildikó Raimondi (Yvonne) geben Beispiele darstellerisch-stimmlicher Repertoiresolidität, Musikdirektor Seiji Ozawa forciert mit freundlicher Hand das agile Moment des heiklen, weil abschnittsweise recht nackerten und vor allem in der Schlagwerk- und Bläsersektion nicht unkniffligen Notenwerks. (end/DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2004)