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Präsidententreffen am Gewerkschaftstag der Metaller: Heinz Fischer und Fritz Verzetnitsch (nach einem Rollerblade-Unfall wieder auf den Beinen), flankiert vom Gewerkschaftsvorsitzenden Rudolf Nürnberger.

Foto: APA
Die Metaller eröffneten am Montag ihre Gewerkschaftstage mit lautstarker Kritik an der Regierung und eher sanften Tönen zur stockenden Gewerkschaftsfusion. An dieser arbeiten mittlerweile die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young.

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Wien - Der designierte Bundespräsident Heinz Fischer weiß, wie man rote Herzen erreicht. "Gewerkschaften haben jahrzehntelang dazu beigetragen, dass der Mensch nicht nur ein Kostenfaktor auf zwei Beinen ist", rief er in seiner Eröffnungsrede der Metaller-Gewerkschaftstage im Vienna Austria Center in die Menge. Die rund 1100 Delegierten, darunter zahlreiche SPÖ-Prominenz, dankten es ihm mit tosendem Applaus.

Viel Zuspruch bekam auch Metaller-Boss Rudolf Nürnberger, der in seiner Ansprache die Regierung geißelte: "Wir haben dann Aussagen gehört wie ,Gewerkschafter raus aus dem Parlament', ,Gewerkschafter runter von der Straße'. Wie es scheint, sollten sich die Gewerkschaften und Arbeiterkammer wohl am besten in Luft auslösen."

Jubel für "Heifi", scharfe Kritik für die Regierung - und auffällig zurückhaltende Worte zur ins Stocken geratenen Fusion zwischen Metallern und GPA prägten den weiteren Verlauf des Gewerkschaftstags, der alle vier Jahre stattfindet und dessen Höhepunkt am Mittwoch die Wiederwahl Nürnbergers zum Vorsitzenden ist.

So wollten weder Metaller-Boss Rudolf Nürnberger noch Drucker-Chef Franz Bittner zum aktuellen Stand der Fusionsgespräche zwischen den fünf Teilgewerkschaften GPA, Metaller, Druck, Agrar-Nahrung-Genuss und Chemie Stellung nehmen.

Wie berichtet, sind die Chemiearbeiter zuletzt ausgeschert - die Zustimmung der Metaller steht noch aus. Die Gewerkschaftsfusion basiert auf einer entsprechenden Verständigung von GPA und Metallern aus dem Oktober 2001. Damals überraschten der GPA-Vorsitzende Hans Sallmutter und Metaller-Chef Nürnberger nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch mit ihrem Vorstoß. Bei der Bekanntgabe der Zusammenlegungspläne hatte man noch Mitte 2003 als Zieldatum angegeben. Davon ist nun schon längst keine Rede mehr.

Nürnberger wie Bittner gaben sich am Gewerkschaftstag aber weiter fusionsoptimistisch - und nannten einmal mehr ihre zwei Bedingungen für das Zusammengehen: Der neue gemeinsame Hauptsitz in Wien-Erdberg müsse im Eigentum des ÖGB stehen (derzeit wird das Gebäude von der GPA errichtet), und die GPA-Privatstiftung, zu der auch zahlreiche Immobilienfirmen gehören, müsse vom ÖGB-Präsidium anerkannt sein.

Strenge Prüfung <7b>

Hinter dieser formalen Anerkennung steht ein harter Streit um personelle und finanzielle Struktur des neuen, intern einst G5, jetzt G4 genannten Gewerkschaftsblocks. Denn durch die Fusion müssen die Strukturen der beiden Organisationen zusammengeführt werden - dabei stehen Posten, Ressourcen und somit Macht und Einfluss auf dem Spiel.

Da auch die persönliche Gesprächsbasis zwischen Sallmutter und Nürnberger zuletzt nicht mehr gegeben war, trat ÖGB-Präsident Verzetnitsch als Vermittler auf den Plan. Bei einem Gipfelgespräch in der ÖGB-Zentrale Anfang Juni wurde beschlossen, ein international renommiertes Wirtschaftsprüfungsunternehmen einzuschalten.

Die Experten von Ernst & Young durchforsten nun die Vermögensverhältnisse aller vier noch fusionswilligen Teilgewerkschaften. Ihre Ergebnisse sollen die Basis für den Fortgang der Gespräche bilden. Sie sollen laut Auftraggeber so "rasch wie möglich" vorliegen - möglicherweise sogar vor der Sommerpause. (Barbara Tóth/DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2004)