Reykjavik/Helsinki - Im äußersten Nordwesten Europas, in Island, findet am kommenden Samstag (26. Juni) die Wahl des Staatspräsidenten statt. Außer Amtsinhaber Olafur Ragnar Grimsson bewerben sich zwei - allerdings von vorneherein als chancenlos eingestufte - Kandidaten um das Amt. Grimsson sorgte Anfang des Monats für Aufsehen, als er zum ersten Mal in der Geschichte der Republik Island vom Vetorecht des Präsidenten Gebrauch machte und so eine für Herbst erwartete Volksabstimmung über das umstrittene neue Mediengesetz provozierte.

Der aus den Reihen der linken Volksallianz kommende Politikwissenschafter Grimsson erlangte bereits während seiner ersten Amtszeit eine derart hohe Popularität, dass er im Jahr 2000 mangels Herausforderern ohne die Abhaltung von Wahlen für weitere vier Jahre als Staatspräsident verlängert wurde. Dies ist laut isländischer Verfassung ebenso möglich wie eine unbegrenzte Anzahl von Amtsperioden. Grimssons Vorgängerin, Vigdis Finnbogadottir, brachte es auf vier Amtszeiten, bevor sie im Jahr 1996 auf eine neuerliche Kandidatur aus persönlichen Gründen verzichtete.

Grimssons Veto-Entscheidung gegen das umstrittene Mediengesetz wurde laut Umfragen von rund zwei Drittel der Isländer gutgeheißen. Das Gesetzesentwurf sieht vor, dass Eigentümer von Medienunternehmen nicht mehr gleichzeitig größere Anteile in branchenfremden Unternehmen halten dürfen. Die Kritiker des Vorschlags vermuten dahinter eine Anlassgesetzgebung, die gegen den mit Premier David Oddsson verfeindeten Unternehmer Jon Asgeir Johannesson gerichtet ist. Grimsson begründete sein Veto mit einer möglichen Gefährdung der Medien- und Meinungsfreiheit in Island und der großen Differenz zwischen öffentlicher Meinung und der Regierungslinie.

Gegen Grimsson treten am Samstag der militante Friedensaktivist und Polit-Clown Astthor Magnusson sowie der auch in Island bisher in der Öffentlichkeit unbekannte Immobilienmakler Baldur Agustsson um die Präsidentschaft an. Beide Herausforderer werden von Politologen nicht ernst genommen. Sie blieben in allen bisher durchgeführten Umfragen zusammengerechnet weit unter zehn Prozent.

Magnussons vermutlich bekannteste Aktion war 2002 eine fingierte E-Mail-Terrordrohung gegen die nationale Fluggesellschaft Icelandair wegen der Unterstützungserklärung der isländischen Regierung für die USA im Zusammenhang mit dem damals absehbar werdenden Irak-Krieg. Magnusson, der schon 1996 bei der Präsidentenwahl angetreten war und lediglich 2,6 Prozent der Stimmen erreichte, musste sich wegen seiner Aktion vor Gericht verantworten. Er erschien in weiterer Folge aus Protest gegen den Irak-Krieg mit Ketchup beschmiert vor dem Richter und wurde prompt des Saales verwiesen. (APA)