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Wenn das Wetter so bleibt - beinahe im Wochenabstand wechseln heftige Regenfälle und kurze Wärmephasen - droht in Österreich nach Aussagen des Gelsenexperten Bernhard Seidel eine Invasion von Stechmücken. Im Gegensatz zur Situation nach Überschwemmungen, wo sie die Plage auf einige wenige Gebiete beschränkt, könnte die die Invasion praktisch ganz Österreich betreffen, so Seidel.

Das derzeitige Wetter fördert nämlich die so genannten Hausgelsen, ein Mix unterschiedlicher Arten, die gemeinsam haben, dass sie sich in der Nähe von menschlichen Behausungen besonders wohl fühlen. Im Gegensatz zu den Überschwemmungsgelsen, die nach Hochwässern kurz enorme Individuendichten erreichen und dann relativ rasch wieder verschwinden, nimmt die Zahl der Hausgelsen im Verlaufe der warmen Saison bei guten Bedingungen kontinuierlich zu, erklärte Seidel.

Ideale Kinderstube

Neben natürlichen Tümpeln, die sich bei den ausdauernden Regenfällen der vergangenen Wochen und Monate immer wieder gefüllt haben, bieten den Tieren auch verschiedene Gegenstände und Gefäße in Haus und Garten eine ideale Kinderstube, was die Situation weiter anheizt. "Derzeit ist sind alle in Frage kommenden Gefäße, die achtlos im Garten stehen gelassen wurden, mit Wasser gefüllt und werden so zu Gelsenbrutstätten", so der Experte.

Natürliche Feinde kommen kaum nach

Dabei müssen es nicht einmal offensichtliche Behälter sein, selbst ein zusammengeknüllter Plastiksack bietet oft Vertiefungen in denen sich Wasser ansammelt. Und dann reichen wenige Tage, um mehreren 100 Stechmücken die Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt zu ermöglichen. Ein Weibchen legt nämlich nach einer ausreichenden Blutmahlzeit zwischen 100 und 300 Eier. Findet das Weibchen kein Wasser für die Eiablage, ist der Kreislauf unterbrochen. Daher sind die lästigen Blutsauger in trockenen Sommern deutlich seltener.

Häufig gehörte Aussagen, in der Natur würden die Stechmücken ohnehin von Fressfeinden dezimiert, verweist Seidl ins Reich der Fabeln. "Die Tiere vermehren sich dermaßen rasch, dass Räuber kaum nachkommen", so der Zoologe. Lediglich in Fischreichen Gewässern haben die Larven kaum eine Chance. Aber jede Wasseransammlung, die während des Jahres immer wieder austrocknet - und deshalb keine Fische beherbergen kann - wird früher oder später zur Kinderstube für Stechmücken.

Auch fertige Mücken haben weniger Feinde als man glauben könnte. Etwa für Fledermäuse oder Vögel sind die Gelsenarten zu klein um wirklich attraktiv zu sein, so Seidel. Was man jedoch häufig sieht, sind Schwalben, die nach den prall mit Blut gefüllten Insekten an Wänden und Decken von Ställen Jagd machen. (APA)