Phoenix - Mike Tyson hat an den ukrainischen Klitschko-Brüdern aus dem deutschen Universum Boxstall kein gutes Haar gelassen. "Wladimir und sein Bruder Witali laufen herum wie Schauspieler, als wären sie die Allergrößten. Witali hat Corrie Sanders bezwungen und rennt herum in dem Glauben, als hätte er Muhammad Ali geschlagen. Sie lassen das Boxen schlecht aussehen", lästerte der einstige Schwergewichts-Champion im Interview mit der "New York Daily News" in seinem Trainingscamp in Phoenix.

In der Wüstenstadt des US-Bundesstaates Arizona bereitet sich Tyson derzeit auf seinen nächsten Kampf vor. Wahrscheinlich wird der "Bad Boy" des Profiboxens am 30. Juli in Louisville/Kentucky vom früheren britischen Europameister Danny Williams herausgefordert. Tyson könnte auch erstmals wieder in einem der großen Casinos von Atlantic City boxen. Der einst jüngste Weltmeister in der Königsklasse bekam am Montag von der Athletic-Commission in New Jersey nach sechs Jahren Kampfverbot die Lizenz zugesprochen. Der Gouverneur des Bundesstaates, James E. McGreevey, möchte allerdings versuchen, dass die Box-Behörde die Lizenzerteilung wieder zurückzieht.

Wladimir Klitschko sei bei seiner technischen K.o.-Niederlage im WBO-WM-Kampf gegen Lamon Brewster (USA) nicht einmal richtig getroffen worden, sondern einfach zusammengebrochen, höhnte Tyson und spottete weiter: Witalis technischer K.o.-Sieg in der achten Runde im Duell um den vakanten WM-Titel des World Boxing Councils (WBC) gegen den Südafrikaner Sanders sei "einer der langweiligsten Kämpfe in der Box-Geschichte" gewesen. "Mein Sparringspartner Nate Tubbs hat Sanders in der zweiten Runde ausgeknockt, als er in guter Form war. Als Sanders gegen Klitschko kämpfte, sah er aus wie Mobby Dick", machte sich Tyson lustig.

Zwei Aufbaukämpfe würde "Iron Mike" brauchen, um gegen Witali anzutreten. Dass die Klitschkos gegen ihn keine Chance hätten, stehe außer Frage. "Wenn ich diese Typen nicht schlagen kann, könnte ich aufhören", meinte Tyson, der nächste Woche 38 Jahre alt wird. Das letzte Mal stand Tyson am 22. Februar vergangenen Jahres im Ring, als er seinen Landsmann Clifford Etienne nach 49 Sekunden ausknockte.

Die Klitschkos, die sich gegenwärtig in Los Angeles aufhalten, wollen nach den Olympischen Spielen in Athen, die sie zusammen besuchen möchten, wieder in den Boxring zurückkehren. Wladimir plant seine Wiedergutmachung für September oder Oktober. Witalis erste Titelverteidigung wird möglicherweise im November in New York sein. (APA/dpa)