Frankfurt - Der erste große deutsche Börsengang seit Jahren ist perfekt: Der Vorstand der Deutschen Post hat die Postbank nach zahlreichen Pannen und deutlichen Abstrichen bei seinen Preisvorstellungen letztlich doch erfolgreich an die Börse gebracht. Dank des niedrigen Ausgabepreises von 28,50 Euro je Aktie am unteren Ende der zuvor bereits gesenkten Angebotsspanne konnten sich Anleger am ersten Handelstag über Kursgewinne freuen.

Bis zum Mittwochmittag legte die Aktie der größten deutschen Filialbank bei sehr hohen Umsätzen fast zwei Prozent auf rund 29 Euro zu. "Das macht mich zuversichtlich für die Zukunft", sagte Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann auf dem Frankfurter Börsenparkett. Händler und Analysten räumten der Aktie auch für die nächsten Tage und Wochen gute Kurschancen ein und werteten den größten Börsengang (IPO) in Deutschland seit mehr als drei Jahren als Erfolg für den Finanzplatz. Sie hoffen nun auf eine Belebung des noch immer weitgehend brach liegenden Marktes für Aktien-Neuemissionen.

Langes Tauziehen

Dem Gang ans Parkett war ein langes Tauziehen vorausgegangen: Wegen zu geringer Nachfrage hatte die Post AG den Börsengang ihrer Tochter um zwei Tage verschieben und den Preis für das Papier senken müssen. Außerdem wurde die Zahl der ursprünglich für das Angebot an der Börse vorgesehenen Aktien von 81.999.999 Stück (50 Prozent minus eine Aktie) auf rund 54,5 Mio. Aktien verringert. Am Ende war das Papier nach Angaben der Deutschen Post doch noch mehr als zwei Mal überzeichnet, die Umtauschanleihe, die nur institutionellen Anlegern angeboten worden war, wurde den Angaben zufolge vierfach überzeichnet.

Postbank-Chef Von Schimmelmann erklärte, man habe letztlich "die deutschen und internationalen Anleger von der Substanz und den Wachstumspotenzialen" des Unternehmens überzeugen können. Mehr als 20 Prozent der verkauften rund 54,5 Mio. Anteile gingen den Angaben zufolge an Privatanleger. Und auch bei den Postbank-Mitarbeitern stieß das Papier laut "Handelsblatt" auf rege Nachfrage: "Fast zwei Drittel der knapp 9.000 Beschäftigten haben die Postbank-Aktie gezeichnet", zitierte das Blatt den Vorsitzenden des Postbank-Gesamtbetriebsrates, Robert Feustel.

1,55 Mrd. Euro erlöst

Die Deutsche Post erlöst für die verkauften Aktien rund 1,55 Mrd. Euro - etwas weniger als Post-Chef Klaus Zumwinkel zuletzt prognostiziert hatte. Damit wird die gesamte Postbank an der Börse mit rund 4,7 Mrd. Euro bewertet. Zumwinkel hatte den Wert seiner Banktochter vor einigen Monaten noch auf mindestens sechs Mrd. Euro beziffert. Mit den Einnahmen aus dem Börsengang will er die Schulden der Post reduzieren und die internationale Expansion vorantreiben. Bis Ende 2005 soll die Post so zur Nummer Eins der weltweiten Logistik aufsteigen.

Zmwinkel deutete in Frankfurt indirekt an, unter Umständen doch die Mehrheit seiner Banktochter abzugeben. "Wir wären schlechte Kaufleute, wenn wir in den nächsten Jahren nicht alle Optionen erwägen würden", sagte er. Bisher hatte Zumwinkel immer betont, auf Dauer die Mehrheit von 50 Prozent plus eine Aktie an Deutschlands größter Filialbank halten zu wollen.

Neun Mio. Aktien wechseln Besitzer

Zeitweise legten die Aktien der Postbank bis auf 29,15 Euro zu. Allein bis 11.32 Uhr wechselten rund neun Mio. Aktien den Besitzer - mehr als jede andere Aktie in Deutschland. "Die Fonds und Banken werden in einer konzertierten Aktion dafür sorgen, dass der Kurs in den ersten Tagen nicht unter den überraschend niedrigen Ausgabepreis fällt", sagte Florian Weber, Chef-Händler beim Börsenmakler Schnigge. Ein Analyst bezeichnete den Ausgabepreis als "sehr günstig". Die Postbank sei gemessen an ihrer Dividendenrendite für Anleger attraktiv. "Ich erwarte, dass die Aktie in den nächsten Tagen um rund einen Euro zulegen wird", sagte der Analyst.

In den Analysten-Berichten zum Börsengang standen zwar keine expliziten Bewertungen - es lässt sich aber eine breite Spanne für den Wert der Postbank von etwa 4,7 Mrd. bis gut sechs Mrd. Euro ableiten. In den Büchern der Post steht die - gemessen an der Marktkapitalisierung - viertgrößte deutsche Bank mit 4,88 Mrd. Euro.

Post-Aktien steigen

Die im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Aktien der Post kletterten um ein Prozent auf 17,21 Euro. Der niedrige Ausgabepreis resultiert aus massiver Kritik von Fondsmanagern an der ursprünglichen Angebotsspanne von 31,50 bis 36,50 Euro. Diese war von der Post in letzter Minute am Wochenende auf 28 bis 32 Euro gesenkt worden. Oberhalb von 30 Euro wollten Fondsmanager keine größeren Pakete zeichnen, so dass der IPO lange auf der Kippe stand. Die Post hatte zudem das Aktienvolumen um ein Drittel auf rund 54,5 Mio. Stücke verknappt. Dafür wird die Aktienemission um eine Umtauschanleihe ergänzt, die der Post eine weitere Mrd. Euro in die Kasse spülen soll. Die ausschließlich institutionellen Investoren vorbehaltene Umtauschanleihe mit einer Laufzeit von drei Jahren hat eine Nominalverzinsung von 2,65 Prozent.

Der Börsengang der Postbank wurde wegen zahlreicher Querelen zur Zitterpartie. Im Mittelpunkt stand dabei immer wieder die Deutsche Bank, der zunächst Kaufinteresse für die Postbank nachgesagt worden war, obwohl das Institut federführend im IPO-Bankenkonsortium tätig war. Zudem gelangte ein internes Papier der Deutschen Bank an die Öffentlichkeit, in dem der Wert der Postbank deutlich unterhalb der Vorstellungen Zumwinkels angesetzt wurde.

Händler und Analysten werteten den IPO dennoch einhellig als Erfolg für den Finanzplatz. Bisher schafften in diesem Jahr erst der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf und der Fahrradhersteller Mifa den Sprung an die Börse. Mehrere Versuche - etwa der Halbleiterunternehmen Siltronic und X-FAB - scheiterten. 2003 hatte es überhaupt keinen Börsengang gegeben.(APA/Reuters/AP)