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Pressekonferenz der Schweizer im Fall Frei: Mit dabei, Ralph Zloczower (li), Präsident des nationalen Verbands und Teamchef Köbi Kuhn (re)

Foto: APA/ Walter Bieri
Lissabon - Der Schweizer Fußball-Verband (SFV) ist in der Spuck-Affäre um seinen Teamspieler Alexander Frei beschuldigt worden. Neuen Zündstoff erhielt der "Fall Frei" durch die Anschuldigung des Sportchefs des Schweizer Fernsehsenders SF DRS, Urs Leutert, der Verband habe den Stürmer zum Lügen animiert. "Es ist bekannt, dass Alex Frei gegenüber den Verbandsverantwortlichen sein Vergehen zugegeben hat und dass sie nachher entschieden haben, dass man die UEFA anlügt", sagte Leutert dem Schweizer "Radio 24".

Es sei daher kein Fall Alex Frei, sondern ein Fall Schweizer Fußball-Verband. "Es war nicht er, der lügen wollte", so Leutert. "Meine Informationen sind, dass Alex Frei den Verantwortlichen gesagt hat: Ich habe gespuckt. Und dass der Verband nachher anders entschieden hat." Für die "Berner Zeitung" (Dienstag-Ausgabe) kann die Akte "Fußball-EM in Portugal" für den SFV angesichts dieser Anschuldigungen nicht geschlossen werden. "Ein Spieler, der lügt, ist ein Ärgernis. Aber ein Verband, der Spieler zur Lüge anstiftet und damit des sportlichen Erfolges wegen seinen guten Ruf aufs Spiel setzt, ist eine einzige Katastrophe", schrieb das Blatt.

Ausgerechnet Leuterts TV-Sender hatte mit Bildern vom EM-Spiel Schweiz gegen England (0:3), in der die Spuckattacke von Frei gegen seinen Gegenspieler Steven Gerrard zu sehen ist, für eine Wende in dem Fall gesorgt. Nachdem das Verfahren vor der UEFA-Disziplinarkommission aus Mangel aus Beweisen zunächst eingestellt worden war, führten die neuen Fernsehbilder zur Suspendierung des 24-Jährigen für 15 Tage bis zum EM-Ende. Da die Schweiz in der EM-Vorrunde ausgeschieden ist, wird die Berufungsverhandlung der UEFA erst im Juli in Nyon stattfinden.

In einer Mitteilung kritisierte der Verband seinerseits, dass ihm der SF DRS die TV-Bilder mit der Spuck-Szene nicht vor der Ausstrahlung gezeigt hat. "Wir - Spieler, Trainer und Delegation - sind enttäuscht darüber, dass ein Vertragspartner solche Bilder ohne Rücksprache veröffentlicht", sagte SFV-Präsident Ralph Zloczower. Spieler und Trainer reagierten mit einem Medien-Boykott und verweigerten nach der Frankreich-Partei am Montag dem Schweizer Fernsehen Interviews.

SF DRS begründete, warum es die nach Freis Freispruch in erster Instanz aufgetauchten Spuck-Bilder sendete. Leutert: "Wir erachten das als unsere journalistische Pflicht und sind der Suche nach der Wahrheit verpflichtet." Diese Aspekte fielen offensichtlich stärker ins Gewicht als die Tatsache, dass der Sender und der SFV, der 2008 gemeinsam mit Österreich die nächste EM-Endrunde veranstaltet, eine seit Jahren etablierte Partnerschaft pflegen.

"Den Verbandsfunktionären steht eine sehr unangenehme Verlängerung bevor. Die Wahrheit wird herauskommen, früher oder später", schrieb der "Tages-Anzeiger". "Und wer immer alles Schuld an diesem Fall trägt, muss die Konsequenzen tragen." Die "Neue Zürcher Zeitung" bedauerte, dass es dem Schweizer Team nicht gelungen sei, "die Rolle des unbekümmerten, sympathischen Außenseiters einzunehmen. Besonders die Querelen um Alex Frei und die undurchsichtige Rolle des Verbandes haben das Gesamtbild der Schweizer EM-Mission getrübt." (APA/dpa)